Dienstag, 15. Mai 2007

7.-17 Mai - Thalheim i. Erz. bei meiner Patentante


Fotoshooting am 17.05.07


Vor dem Weggehen sollte man sich natürlich aufbrezeln, wie das Christine so schön sagt


Bei Wein und Pizza gings uns gut...


... wie man sieht


Der Weg zu ihr nach Hause..., ohne Regen, aber pünktlich vor der Regenzeit, denn kaum waren die Esel und mein Zeug verstaut fing es heftig an mit regnen. Dafür bin ich sehr dankbar.


Warten auf meine Tante bei meiner Ankunft in Thalheim, am 07.05.07, an Renters Ruh


Ankunft vor ihrem Haus


Weiterer Weg zu ihr...

Patentante Christine liegt verkatert im Bett, war eine lange und lustige Nacht

Christine und ihre lieben Eltern


kurzer Ritt auf Sasi
hier will sie schon nichtmehr weiterlaufen

Freßen ist wichtiger als mich tragen



ja, rauchen tue ich immer noch
Die Katze von Angelika, die wir besuchten, da sie auch einenEsel Linda hat - die Fotos vom Besuch kommen noch
Postkartenreifes Foto von Sasi, immer herrlich wenn sie sich so umdreht und mit ihren Knopfaugen mich gelassen anschaut
Sultano und ich, ne
Christine und die Esel
Es ging kein Weg über die Brücke, der berühmte Eselkampf
Beruhigt freßen sie, nachdem wir an der Brückenaktion gescheitert sind
Erfrischung in der Zwönitz, war ein warmer Sonntag, 13.05.07
nochmal Kampf, Miniela gibt alles, um nicht da drüber zu müßen - mit Erfolg
Rast an der Rentners Ruh
Familienausflug zur Rentners Ruh mit (v.links) Christine, ihr lieber Freund Jensi, seine Nichte Celine, seine Eltern und sein Neffe
die ersten und einzigen Kinder an Rentners Ruh, die Sasi geritten sind und ich was kleines verdient habe

Jensi und Sultano
Celine mit ihren Bruder, Sasi führend
Miniela wollte schnell zurück zur Gruppe, da ich neu satteln mußte
Waldspaziergang
Kinder helfen beim Esel putzen

noch auf der Weide, die glücklicherweise gleich gegenüber von Christines Wohnung liegt und wir sie vom Fenster aus sehen können
Der Weg in den Wald zu Rentners Ruh mit Celine auf Sasi
Miniela wollte sich nicht recht ansatteln lassen, Jensi half mir dabei

Noch vorm Haus von Christine
Die erste Begegnung mitden Eseln von Jensi´s Familie
Celine hilft fleißig
Stirnhaare müßen auch gekämmt werden

Und Hufe auskratzen und nachschneiden ist auch immer im Pflichtprogramm vor jedem Start
Miniela



Bei Christine klingelte der Wecker immer 5 Uhr morgens, doch am ersten Tag habe ich ihn nicht gehört, so müde war ich gewesen. Schön ausgeschlafen, mit Jensi gefrühstückt und mich später um die Esel gekümmert. Die Arbeitskollegen und Freunde von Christine hatten fleißig Brot gesammelt und zwar soviel, dass ich gar nicht alles verfüttern konnte. Da es auf Dauer nicht gut ist und fett macht. Trotzdem vielen Dank an alle fleißigen Sammler. Ich habe mich sehr darüber gefreut und die Esel natürlich auch. Jensi hatte mir aus seinem Dorfe Heu besorgt für die Esel, was ja auch wichtig ist – vielen Dank Jensi. Auch Danke, dass du Sultan und mich so lange ertragen hast bei dir zu Hause. Ich weiß, dass ein so langer langer Besuch in einer Zweiraumwohnung nicht einfach ist.

Es regnete immer noch heiter weiter. Oh, war ich glücklich, dass wir alle im trockenen waren. Es war doch irgendwie göttlich, dass wir es genau bis dahin schafften. Jetzt hatten wir alle Zeit uns auszuruhen. Ich schrieb viel Tagebuch, telefonierte mit meiner Familie und Freunden. Mit Curly telefonierte ich echt eine ganze Nacht lang, so ca. 8 Stunden. Da es gratis war, ist das für Curly eigentlich kein Problem so lange zu reden. Und da wir uns so oft nicht sehen gibt es immer eine Menge zu erzählen. Sie war auch mein nächstes Ziel in Leipzig. Sonst ruhte die ersten Tage erstmal viel, bis ich wieder kräftiger wurde.

Ich begann meiner Internetseite zu gestalten und zu bebildern, was doch gar nicht so einfach war für mich, denn so ein Computer stellt einen immer viele Rätsel und wenn man kein Computerfreak ist, rätselt man länger. Doch den Anfang habe ich geschafft und sogar ein wenig zu den Tagen geschrieben. Im Grunde aber viel zu wenig. Die Interessierten waren meist nicht so zufrieden über den Stand meines öffentlichen Tagebuchs. Ich wollte aber auch noch anderes tun, als nur vor dem PC zu sitzen. Immerhin war ich zu Besuch bei einem Teil meiner Familie.

So besuchte ich auch die Eltern meiner Tante, die sich sehr freuten mich zu sehen und mir einreden wollten jetzt wieder umzukehren. Das wollte ich natürlich gar nicht, jetzt da ich schon bisher gekommen bin und immer noch am Anfang meines Reisevorhabens stand. Sie blieben liebenswert, wollten aber auch nicht, dass ich mit den Eseln vor ihrer Tür stehe. Meine Eltern und Großeltern konnten mein Vorhaben überhaupt nicht gutheißen, was ich aus ihrer Sicht ein wenig verstehen kann. Man macht sich ja immer Sorgen um die Kleinen, auch wenn sie nicht mehr so klein sind. Kinder bleiben eben ewig die Kinder und Enkelkinder.

Christines Vater kannte einen alten Schustermeister mit dem er bekannt war. Meine eine Satteltasche aus Stoff ist ja damals an der Lehnmühle halb zerrissen, als Minielas Sattel runter fiel und sie weiter lief. Auch meine Schuhe fingen an sich aufzulösen, was nicht so gut ist, wenn man fast täglich weite Strecken mit ihnen läuft. So gingen wir zu dem alten Meister und er erklärte sich bereit sie zu reparieren, obwohl er eigentlich schon Rentner ist. Schön ist den alten Leuten beim Erzählen zu zuhören. Der Schustermeister war sehr angetan von meinem Unternehmen, mehr als Christines Vater. Dennoch unterstützte er mich, wofür ich ihm sehr dankbar bin.

Die Esel standen meist unter dem kleinen Schauer der für Schafe gebaut worden ist. Da sie nicht so groß sind, hatten sie Glück und passten drunter. Nico, meinen Cousin, habe ich auch kurz gesehen. Ach, schön wars den Teil der Familie zu sehen, den ich schon immer am meisten mochte, da sie eben auch etwas anders und verrückter sind, vor allem mit viel Sinn für Humor und Gelassenheit.

Als ich im Diska einkaufen ging, weil ich mal was kochen wollte, da Christine fast nie kocht, sondern eher Jensi, der gelernter Koch ist, traf ich Angelika am Bäckerstand. Sie lud mich zum Kaffee und Kuchen, was ich nicht ablehnte. Sie war immer noch freudig erregt, und so kam es leicht zum Reden. Dabei lernte ich einen Mann mittleren Alters kennen, der ebenfalls einen Kuchen verzehrte. Er bekam mit, dass ich mit Eseln auf Wanderschaft war und stellte mir daraufhin verschiedene Fragen, die ich natürlich beantwortete, was sonst. Wie es sich herausstellte, war dieser Mann ein typischer „BILD- dir-deine-Meinung-Typ“ und kam mir mit diesen Meinungen, dass es doch viel zu gefährlich wäre, er selbst würde mich auch nicht bei sich rein lassen würde und mir die Türe vor der Nase zuschlagen. Und überhaupt ginge das heute überhaupt nicht mehr, es herrsche viel zu viel Angst und Schrecken unter der Bevölkerung, womit er ja nicht ganz unrecht hat. Man könnte mich umbringen oder vergewaltigen ... Es gibt kein Vertrauen mehr unter den Menschen. Angelika warf immer mal wieder was dazu ein, hinterm Bäckertresen. Ich wäre ja nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, der nichts gegen den großen Strom machen könnte.

Ich sah in ihm diese negative Haltung, die die meisten Menschen der „Normalbevölkerung“ in sich tragen und es ist sogar bewiesen, dass wenn man stets negativ denkt einen immer wieder negative Dinge passieren. Die positiven kleinen Dinge fallen den Menschen schon gar nicht mehr auf. Das ist auch die Arbeit der Medien, die sich mit Negativschlagzeilen, die Leserschaft ran holt und unterhält. Sie sind ja auch gierig auf diese Nachrichten, sonst würden sie sich vielleicht die FAZ lesen oder so. Und dann denken sie, dass nur Verbrechen in der Welt herrschen. Wenn man der Negativität nicht mehr so viel Beachtung schenken würde, wäre der Schaden geringfügiger. Das funktioniert mit Werbung und auch den Politikern, doch jeder denkt, dass es nur so geht, weil es einem jeden Tag suggeriert wird, dass dies der einzige Weg ist. Doch wie heißt es so schön: „Viele Wege führen nach Rom.“ Warum nicht auch zu einem positiveren selbstzufriedeneren Leben.

Gut, es ist wahrlich nicht einfach aus einer Gewohnheit herauszukommen, was ich immer am Nikotin merke. Noch immer habe ich es nicht geschafft mit dem rauchen aufzuhören. Aber ich hatte keine Lust mehr mich diesem täglichen Frust auszusetzen, der mein Leben bestimmte. Der aus Minderwertigkeitskomplexen, falschen Identifikationen - Wie man so sein wollte, um gesellschaftlich und familiär akzeptiert und respektiert zu werden – Hunger nach verschiedenen Dingen, Sehnsüchten und Wurzellosigkeit bestand. Zweifellos kann ich dies noch enger einkreisen, aber das wäre zuviel des Ganzen. Ich habe soviel frustrierte Gesichter in der Stadt gesehen, Trinker / innen, andere Drogenabhängigkeit, Verstümmlung des eigenen Körpers durch eben solche Genuss-gifte, Bulimie, Magersucht, Schnitte in die eigene Haut bei Borderlinekranken und so weiter... Da gibt es noch mannigfachere Fälle, die alle die selbe Essens der seelische Leere haben. Und trotzdem wird weitergemacht, weiter getrunken, weiter gequält (sich selbst oder andere). Ein Leben ohne Liebe und Vertrauen. Deswegen bin ich dafür andersherum zu denken, ein gesundes Ego aufzubauen, lieben und vertrauen zu können, die Göttlichkeit zu fühlen. Viele verstehen das und sehen sich danach, doch das Geld ist wichtiger und er hohe Posten, den man sich beruflich erarbeitet hat, egal, ob man dabei seine Gesundheit aufs Spiel setzt, seine Kinder nicht mehr kennen lernt...

Nun, es gibt ja auch noch andere Dinge die mich beschäftigen, als immer nur über die vielen Krankheiten der Menschen, Erde und deren eventuellen Ursachen zu suchen.
Wie zum Beispiel die Kunst der Musik, der bildenden Künste, Tanz, die Kunst des Schreibens und die Kunst zu überleben im Einklang mit sich selbst, der Gesellschaft und der Natur. Gut, soviel dazu.

Es regnete über eine Woche lang, erst zu Himmelfahrt war das Wetter wieder trockener geworden, was wir zum raus gehen nutzten, und meine Tante zum fotografieren. Dabei entstanden einige Bilder mit den Eseln, ihren Söhnen plus ihren Freunden, die zufälligerweise mit dem Bier in der Hand über die Wiese liefen, wie das zu Männertag/Himmelfahrt üblich ist. Die jungen Männer waren aufgeschlossen dafür und erfreuten sich an den Eseln. Die Esel hatten allerdings irgendwann von der ganzen Fotografiererei genug.

Die Besitzer der Gastweide hatten ihren alten Hanomag-Traktor raus geholt und sind des frühen Morgens gestartet. Schönes altes Gefährt. Hanomag hat schöne Automobile gebaut. Lee hat auch einen Hanomag, allerdings als LKW, zum Wohnmobil für die Ferien umgebaut. Herrlicher Oldtimer.

Christine und ich waren am Morgen des Männertages in der Sauna von Thalheim, was sehr entspannend und reinigend war. Es ist schon fast zur Tradition geworden einmal dahin zu gehen, wenn ich bei ihr zu Besuch bin. Den Abend zuvor haben wir uns schick gemacht, was mir eher schwer fiel, und sind zum Italiener essen gegangen. Schick machen nennt sie immer aufbrezeln. Süß. Da sie genug Klamotten, Schmuck und Hüte vorrätig hat, haben wir auch was für mich gefunden. War ein seltsames Gefühl, denn ich hatte mich schon lang nicht mehr aufgebrezelt und vor allem nicht geschminkt. Und auf Wanderschaft ist das auch nicht von Nöten, doch ich glaube zu wissen, dass man das als Frau doch ab und zu mal braucht. Man fühlt sich gleich ganz anders und man wird auch anders angeschaut. Nun ja, ich habe den Abend sehr genossen, auch die Sauna und die Zeit allgemein bei ihr, weil sie auch ein Mensch ist mit den man Pferde stehlen und alles bereden kann. Immer offen für Neues, Humor, Klatsch und Problemchen.

Die Angelika hatten wir auch mal einen Tag besucht, der nicht so verregnet war. Ein Sonntag wars. Wir haben die Esel gesattelt, sind mit einigen der Familie zur „Rentners Ruh“ gelaufen, da ich dachte dort etwas Geld mit Kinder reiten zu verdienen, aber es eben doch mehr Rentner als Kinder da.

Angelika wohnt ein Dorf weiter, so ca.5km entfernt und das war ein schöner Sonntagsausflug zu ihr. An einer kleinen Brücke hatten wir das berühmte Eselproblem, dass sie auf keinen Fall darüber gehen wollen. Da war auch überhaupt nichts zu machen, Christine hat sich kaputt gelacht und unter Lachen habe ich es auch nicht geschafft die Esel davon zu überzeugen über die Brücke zu gehen. Naja, es ging ein Weg am Feldrand entlang und dann eben an der Straße bis wir bei ihr waren.

Angelika, ihre Familie und Nachbarn haben uns bereits erwartet und zum Mittag eingeladen. Die Freude beim Ankommen war groß und erregt bei allen. Es wurde heiter drauf los geschnattert, als ob man sich schon lange kennt. Die Esel kamen auf die Weide. Ihr Esel Linda hatte gerade große Probleme mit der Hufrehe und humpelt somit recht stark. Sie hatte das Alter von Sasi, also ca. 18 Jahre, war so goldbraun mit typischen Aalstrich und hatte etwas zu viele Kilos drauf, was wohl die Rehe begünstigt hatte. Vom Charakter her, eine gute Dame, neugierig, aber verfressen. Sasi ist ja auch so, sie hat auch zu viele Kilos drauf, doch zum Glück keine Probleme mit der Hufrehe. Seltsamerweise hat sie während der gesamten Wanderschaft kaum abgenommen, um nicht zu sagen, gar nicht.

Nach dem Mittag ließen sie Linda mal laufen, wie sie wollte. Als ich mal Miniela dazu holte bekam Linda Angst. Sie hatte wohl seit ihren Weggeben von Muttern keinen Esel mehr gesehen, also so ca. 17 Jahre. Doch langsam ging sie mal hinter zur Weide, um zu gucken, denn die Neugier und das Erkennen der eigenen Rasse steckte in ihr und war wohl zu groß, als dass sie es ignorieren hätte können. Es war sehr spannend für alle dabei zu zuschauen.

Angelika tafelte sogar noch Kuchen auf und Obst bis wir voll gefüllt waren. Da sie noch in einem Haus mit Ofenheizung wohnten, hatte ihr Mann eine Menge an diesen kleinen Ascheschaufeln übrig. Die hatte ich bei Peter gesehen, womit er auf dem Markt den Eselmist entfernte und so fragte und bat ich sofort, ob ich eine bekommen kann für die Reise. Und ja, er schenkte mir eine. Ich hätte sie auch gekauft, aber er schenkte sie mir, worüber ich sehr dankbar war. Sie hat mir schon viele Dienste erwiesen – Danke nochmal.

Angelika schenkte mir eine Filzhandtasche, die mir auch viele Dienste erwiesen hat, aber leider nicht überlebt hat, da sie einfach zu locker gefilzt wurde. Ich brauche meist robuste Dinge, die einiges mitmachen und aushalten.

Wir bedankten uns für die den wunderschönen Nachmittag, und gerade als wir losgehen wollten kamen noch zwei jungen Frauen, die mit in dem Haus wohnten und boten uns ihren leckeren Kuchen an. Sie hatten selbst gebackene Mandelecken, welch ein Schmaus, da konnte ich nicht „Nein“ sagen und nahm mir eine. Dann aber los...

In Thalheim erregten die Eselchen etwas Aufsehen bei den Sonntagsspaziergängern, auch bei Christines Eltern, die es ja eigentlich nicht wollten, das wir bei ihnen vorbei kommen, doch wir taten es und sie erfreuten sich doch noch an ihnen. Alles in allem ein schöner Tag und eine schöne Zeit bei meiner Lieblingstante im Westerzgebirge.

Die gute Angelika besorgte mir auch noch zwei Säcke voll Heu für die Eselchen, da ich länger als sieben Tage bei Christine blieb - vielen Dank an den Herrn der LPG.

Christine hatte ab dem Männertag bis zum Ende des Wochenendes frei und entschied sich uns für die drei Tage zu begleiten, worüber ich mich sehr freute. Mal etwas Begleitung ist schön, vor allem wenn es ein so humoristischer ist mit Sinn für die Intuition.

Meine liebe Patentante hat mittlerweile schon die 50'ziger Grenze überschritten und ist immer noch bereit für neue Abenteuer – herrlich. So packten wir soweit es ging am Abend des Männertages und schauten mal zur Abwechslung etwas Fernsehen zum einschlafen.

7. Mai - Thum, Jahnsbach, Hormesdorf bis Thalheim

müde Eselchen
keine recht Lust weiterzugehen


Der Tag begann zeitig, der Himmel war durchwachsen. Die Esel hatten bei mir am Zelt geschlafen, aber in der Nacht irgendwie meine Wanderfahne nieder getrampelt und dabei die Feder zerstampft, was ich sehr schade fand, da sie von Peter war.

Nach dem Frühstück wusch ich mich im Bach, packte und als ich die Esel putzen wollte, lagen sie herum und wollten überhaupt nicht aufstehen. Sie waren noch zu müde vom Vortag und hatten keine Lust mehr auf solch selbe Schinderei. Nach einigen ziehen an der Leine und aufmunternden Worten bekam ich sie doch zum stehen und machte den Rest fertig. Da fing es schon an ein wenig zu tröpfeln. Oh, ich betete für Trockenheit und es hörte erstmal wieder auf. Ich wusste über meinen Weg nach Thalheim nur soviel, dass ich kurz durchs Dorf musste und dann über die Schnellstraße. Das tat ich und dann hatte ich wieder Glück, dass zwei Arbeiter an dem Weg arbeiteten, den wir nahmen. Sie fragte ich nach dem Weg. Und einer der Herren wusste ihn, da er selbst schon mal nach Thalheim laufen musste. Wir schrieben es gleich auf, damit ich es nicht vergesse.

So ging es dann über den Buttermilchsteig nach Jahnsbach. Zuvor holte ich mir beim Bäcker etwas Brot und süßes. Am Buttermilchsteig rastete ich kurz, um die Leckereien zu verzehren. Auch die Esel kamen nicht zu kurz. Und dann fing es an mit regnen und ich ließ meine Angst los und dachte, dass wir den Regen nicht ewig aufhalten können und er eben auch gebraucht werde. So verpackte ich die Esel regensicher und zog mir meine Regenjacke an. Doch es fing dann richtig an zu regnen und ergoss sich aus vollen Kannen.

Nun, in Jahnsbach traf ich eine ältere Frau, die mit ihren kleinen Hundi spazieren war, fragte sie auch noch mal nach dem Weg, weil nach des Arbeiters Beschreibung ich den Weg nicht fand. Sie schickte mich weiter geradeaus über Jahnsbach entlang. Später kam sie mir sogar in Regenkleidung hinterher gerannt, da sie mich gern ein Stück begleiteten wollte. Ich wunderte mich über sie, da es ja in Strömen goß. Doch sie meinte, dass passiert auch nicht so oft, das hier jemand mit zwei Eseln vorbei kommt und der Regen jetzt egal ist. So zeigte sie mir eine Abkürzung durch den Wald, wobei der Weg recht steil und wurzlig war. Sasi wollte ihn nicht gehen und die gute Frau erklärte sich bereit Sasi von hinten anzuschieben. Ein herrliches Bild, wie sie die Sasi schob. Wir wechselten uns auch mal ab, aber führen ließ sie sich nicht von ihr, also schob sie Sasi von hinten an.

Sie brachte mich bis zu einem großen Parkplatz von ich aus oberhalb von Holmersdorf lang gehen sollte, nach der Beschreibung des Arbeiters. Damit würden wir das Bergauf – und ab umgehen. Doch der Wind und Regen war hier auf der Höhe so stark, dass es einfach unangenehm wurde für alle. Meine Hose war mittlerweile ziemlich nass und den Esel triefte das Wasser übers Gesicht. Jetzt sah ich erstmal was für dünne Beinchen sie haben, weil das Fell nass am Knochen hing. Es war einfach zu anstrengend und so entschied ich mich quer übers Feld nach unten ins Dorf zu gehen.

Was ich nicht bedachte, dass die Wiesen ja auch nass waren und somit war meine Hose danach richtig klatschnass. Unten angekommen, wollten die Esel pausieren, was ich völlig verstehen konnte, da es mir ähnlich erging. Doch wollte ich nicht im Regen das trocken gebliebene Gepäck abstellen. Ich brauchte irgendwas mit Dach. Ich sah ein leeres Carport an einem Haus, da gab es auch Weide zum knabbern für die Esel. Ich band sie am Zaun an und ging zur Hoftür, klingelte. Eine alte Frau öffnete mir die Tür. Ich erzählte ihr von meiner Tour und das wir eine Pause bräuchten, doch sie sah die Esel nicht, da ich sie um die Ecke angebunden hatte. Sie glaubte mir kein Wort, schien Angst zu haben und scheuchte mich fort. Da stand ich nun und wusste nicht wohin mit uns.

Ich zog mir erstmal meine nasse Hose aus und die trockene Regenhose an mit dem extra Wadenschutz. Das war schon mal angenehmer, trotzdem war ich etwas verzweifelt, da die Esel wirklich eine pause brauchten und wir noch ca. 7km vor uns hatten bis Thalheim. Ich sah wieder einen Carport, klingelte um nach Erlaubnis zu fragen, niemand glaubte mir. Gegenüber vom Carport, über der Straße, war eine große Wiese, die nicht bewirtschaftet schien. Sie gehörte zu einem alten Mietshaus. Ich klingelte mich von unten durch, um nach Erlaubnis zu bitten. Wieder glaubte mir niemand. Einer wollte aus dem Fenster schauen. Ich stand unten und wartete. Da die Esel nicht zu sehen waren unter dem Carport, wenn man nur mal hinter der Gardine lunscht, konnte man sie auch nicht sehen. Es kam keine Reaktion und er glaubte mir nicht. Völlig zurückgezogene Leute. Jetzt hatte ich die Schnauze voll und setzte mich einfach unters Carport und packte die Esel auf die gegenüberliegende Wiese.

Mit Höflichkeit kommt man nicht immer weit, manchmal setzt sich eben Frechheit besser durch. Sie aßen, ich aß und hatte zum Glück noch heißen Tee. Was für ein Bild, aber wir waren im trockenen. Dann kamen Autos ins Carport, einer war total nett und begeistert, stellte neugierige Fragen, andere schauten mich wie den letzten Dreck und Pennertum an. Mensch, fühlte ich mich wohl dabei! Auf der anderen Seite war es recht ruhig, bis ein Auto kam mit einer Frau, die nicht schlecht bei dem Anblick der Esel staunte und suchend umherblickte. Ich sah es und ging zu ihr rüber. Sie war gerade drauf und dran gewesen die Polizei zu holen. Das hatte ich knapp abgewendet. Ich erzählte ihr kurz meine Story und das wir nur eine Pause brauchten und dann weitergehen. Sie war die Verwalterin, welche von den Mietern Anrufe bekommen hatte, die sich über die Esel auf ihre Wiese beschwert hatten. Weil sie wohl auch die Blumenbeete zertrampeln würden. Aha, jetzt glaubten sie doch an die Esel und regten sich auf, aber niemand kam zu mir persönlich.

Nachdem wir gesättigt und etwas ausgeruht waren packte ich wieder, wurde noch fotografiert von dem neugierigen, freundlichen Mann und zog dann weiter. Mittlerweile hatte es auch mit regnen aufgehört, worüber ich sehr dankbar war.

Ich bog bei einem großen Rapsfeld ab, fragte nochmal, ob ich denn hier an dem alten Kriegerdenkmal vorbeikomme, dem war so, und so lief ich erleichtert weiter. Ich glaube wir waren alle erleichtert. Die Esel flitzten den Berg hinab, das Gepäck schepperte an ihnen und ich hinterher. Dann kamen Wanderschilder und darauf stand „Thalheim – Rentners Ruh“ Ich jubelte, dass kenn ich noch von früher aus meiner Kindheit, dass ist dann nicht mehr weit von da aus. An der „Rentners Ruh“ gibt es so ein Miniaturpark, der recht niedlich aufgebaut ist. So wurden die letzten 6km sehr angenehm, die Spätsonne schimmerte durch die Wolken, ich sah noch eine Futtergrippe mit Heu und nahm für die Esel was mit. Kam an einer herrlichen Kräuterwiese vorbei, an der schönen alten Rotbuche, die so was mystisches in sich trägt.

Es klapperte von weiten ... eine Horte Nortic Walker kam mir entgegen ... Es gab lehrreiche Tafeln über die Pflanzen des Waldes ... und Sasi lief dann wieder wie von allein. Sie wusste, dass wir bald da sind und dann länger pausieren werden oder so. Ich erzählte es ihnen auch immer wieder.

Da meine Tante umgezogen ist und ich nicht mehr genau wusste, wo sie jetzt wohnt, lief ich bis zur Rentners Ruh, und pausierte da erstmal. Kindheitserinnerungen wurden wachgerufen bei dem Anblick des kleinen Miniaturdorfes und den gemütlichen Sitzgruppen für die Wanderer. Ein junger Mann sprach mich mit seinen Kindern an und bot mir eine Unterkunft für die Esel an, was ich total nett fand, denn ich wusste noch nicht, ob meine Tante was für die Esel gefunden hatte zum unterstellen. Ich schaltete das Handy ein, um sie anzurufen, doch sie war schneller. Super timing!

Sie war auch recht schnell da, ich wollte ihr zwar entgegenlaufen, aber sie war schneller. Oh, was für eine große Freude. Sie ist auch ein Mensch von großer Fröhlichkeit und hat stets ihre Kamera dabei. Sie knipste auch gleich munter drauf los, nach der ersten dicken Umarmung. Dann ging es zu ihr, vorbei am Diska (Supermarkt), wo schon die Bäckerfrau mit Brötchen auf uns wartete. Ein herrliche Begrüßung und Ankommen war das. Angelika, die Bäckerfrau, hat selbst ein Eselchen bei sich zu Hause und freute sich riesig über uns. Sie lud uns gleich ein bei ihr mal vorbei zu kommen. Doch jetzt ging es erstmal zu Christine, meiner Patentante. Ich drückte ihr natürlich auch gleich einen Esel in die Hand, worüber sie sich sehr freute. Sie hatte einen tollen Platz für die Esel gefunden. Genau im gegenüberliegenden Grundstück war eine Schafsweide, wo die Schafe noch nicht drauf waren. Na herrlich. Abpacken, Esel rüberbringen, die Besitzer kennen lernen, die sehr gastfreundlich waren und mir ihren kleinen Raum mit Wasseranschluss zur Mitbenutzung bereitstellten, so dass ich das Heu, das viele Brot, was für die Esel gesammelt wurden ist, unterstellen konnte und immer frisches Wasser geben konnte. Ich freute mich sehr über dieses Glück und ihre Freundlichkeit. Keine Spur von Angst und Skepsis mehr. So wie die Esel, das Gepäck und wir verstaut waren fing es wieder tüchtig an zu regnen. Jetzt kam alles angestaute runter und ergoss sich über die Erde. Wahnsinn, als hätte das Wetter darauf gewartet, dass wir endlich im trockenen sind...

Christine und ich tranken erstmal ein Bier und redeten bis spät. Jensi, ihr Freund, hat ein eigenes Zimmer bei ihr und wollte nun doch nicht, dass ich da schlafe, so schlief ich mit ihr im Bett. Zuvor hatte ich aber noch lange mit Peter telefoniert.
Es war ein schöner erlebnisreicher Tag mit Hochs und Tiefs und einem wunderbaren Ankommen. Da wusste ich wieder warum ich es tat...

6. Mai - über Wolkenstein,Drehbach, Herold nach Thum

Leider habe ich von dem wunderschönen Schlafplatz keine Fotos gemacht. Auch überhaupt nicht an dem Tag. Hatte ich irgendwie ganz vergeßen.

Nach der erholsamen Nacht stand ich noch vorm Weckerklingeln (7.07Uhr) auf. Es regnete nicht, die Esel fraßen schon kräftig und der Himmel war grau. Ich bereitete das Frühstück, aß und schreib dann noch zwei Karten an liebe Freunde. Ich ließ mir viel Zeit. Übte Kihon mit meinem Jo und dehnte mich aus. Minielas Husten hatte nachgelassen, aber jetzt war sie leicht verschnupft, ich gab ihr noch ein hömophatisches Mittel, was auch sehr gut bei den Eseln anschlägt. Und dann packte ich so langsam. Mit Zelt abbauen, brauche ich noch länger bis ich loskomme und als ich in einer halben Stunde in Wolkenstein war, war es auch schon 12 Uhr. Ohje, hatte ich frühs rumgemehrt, obwohl ich zeitig aufstand. Ich hatte ja das Ziel noch vor dem angekündigten Dauerregen nach Thalheim zu meiner Tante zu kommen. In Wolkenstein, so dachte ich, wird zum Sonntag viel los sein und ich könnte vielleicht noch ein paar Fotografiespenden einsammeln. Doch dem war nicht so, es wirkte fast wie ausgestorben. Kaum ein Mensch auf der Straße und recht zurückhaltende Menschen. Doch eine Frau sprach mich vom Fenster aus an, die ich nach dem Wanderweg fragte und mir dann noch Wasser auffüllte. Nach Wolkenstein gings nach Drehbach, nur 4km, ich dachte, da machste dann eine Mittagspause in der Kneipe. Hatte Hunger nach mehr als nur Knäckebrot. Der Weg war recht anstrengend, weil wieder bergauf und noch an der Straße lang für 1,5km. Zum Glück sind die Menschen Sonntags nicht so streßig im Auto unterwegs. Sasi wollte auch nciht so recht, sie spürt auch immer sofort wenn ich Streß hab, denn an der Straße bin ich noch nicht entspannt mit den Eselchen und Sultan. Aber wir schafften es zum Waldweg und dort gings wieder besser mit laufen. Zwei Fahrradwanderer hielten an und redeten mit uns, ich meinte dass ich nach Thalheim wollte und er erklärte mmir einen anderen Weg, waas mich total verwirrte. Am Ende ging ich meinen Weg weiter, wieder bergauf und bergab nach Drehbach. Dort fragte ich in der Kneipe, ob ich mit meinen Eseln hier rasten könnte. Das ging. Sie hatten einen gemähten Rasen, so hatten die Eselchen soich doch net ganz satt freßen können, denn Heu wollten sie net so recht. Ich war dafür total satt vom dicken Schnitzel. Ich merkte auch, dass ich echt mehr Fleisch brauch als zuvor, denn es gibt viel Energie und macht ordentlich satt. Die Kneiper waren auch eher zurückhaltend, so hate ich meine Ruhe bei der Rast. ERst am Ende wo es fast schon wieder losging kamen Kinder. Einer aus der Kneipe und die Kinder kamen ein Stück mit mir mit und er erklärte mir die Feldwege nach Herold und Thum, denn meine Wanderkarte hörte jetzt auf und ich mußte mich durchfragen. Ich merkte, dass die Esel nicht richtig satt geworden sind und hatte Schwierigkeiten sie am laufen zu halten. Da sagte ich mir, dass ich das nächste mal nicht mehr nur auf meinen Hunger höre, sondern es muss eben auch fette Wiese vorhanden sein und kein gemähter Rasen. Wir kamen durch Herold, ein kleines verschlafenes Dorf. Die Berge wurden auch kleiner und von dort aus beschrieb mir noch eine Frau den Weg nach Thum. Oben im Dorf waren ein paar Kinder, die an den Eseln erfreuten und auch die Erwachsen fragten neugierig. Ich lief dann weiter und hatte nun echt zu tun, die Esel am Laufen zu halten. Dochj wir schafften es bis Thum. Und da stand ich nun in Thum und kam mitten in der Kleinstadt raus. Ich dachte, scheiße, warum haste nicht weiter hinten an der Weide gehalten, aber nein mein Ehrgeiz trieb mich weiter. Ich wußte gleich nciht wohin mit mir und da kam wie ein Engel, eine Frau mit ihrem Sohn mit dem Fahrrad an. Ihr Sohn hatte ihr von mir erzählt und da kam sie uns tatsächlich mit dem Fahrrad hinterher gefahren, um mir ein warmes Essen, einen A-'Saft, Apfel und einen göttlichen Psalm zu bringen. Wie liebenswert von ihr. Vorallem zum rechten Zeitpunkt. Sie fuhr mit ihrem Sohn noch kurz runter über die Straße, um mir dann zu berichten, das gleich gegenüber ein Bach und Wiese waren. Oh, wie war ich froh, doch noch ein gutes Nachtlager gefunden. Ich dankte ihr sehr für alles. Sie war bescheiden, wie ein guter Gläubiger und hatte zwei verschiedene Augenfarben, blau und blaugrün. Warm. Das sind immer sehr besondere Menschen, Trösterinnen.
Ich ging mit den Eseln nmach unten und sattelte gleich, bei einer alten Mistsammelmaschine oder so, ab. Sasi wollte nicht bleiben, was mich sehr verwunderte. Doch als ich beim Essen saß, wußte ich warum. Ein Haufen von Mücken und Kleinstinsekten unmschwirrte uns. Oh, war das unangenehm. Das Essen erstaunte mich auch sehr, denn als ich die Schüssel öffnete, war Schnitzel mit Blumenkohl und Kartoffeln drinne. Wahnsinn,genau das was ich mir wünschte und ich teuer in der Kneipe bezahlte. So hatte ich gleich zweimal Schnitzel am Tag und merkte, dass es auch so zu mir kommt, wenn ich es wirklich brauche, ohne dass ich groß Geld ausgeben muss. Erwarten darf man sowas natürlich auch nicht, weil es dann auch nicht passiert. Aber wenn man den Wunsch losläßt, kann er sich wohl schneller erfüllen als man denkt. War ein wirklich magisch, göttlicher Moment mit dieser Frau. Ich weiß gar nicht, ob sie sich darüber bewußt war.

Der Spruch neben dem Psalm103, Vers 2

>> Dankbarkeit ist das Geheimnis eines zufriedenen Lebens.
Die glücklichsten Menschen sind nicht immer die, die am meisten haben.
Häufig sind es die, die nicht vergssen, Gott zu danken.
Wer dankt, dessen Freude vertieft sich und sein Leben ist gesegnet.
Wer Gott dankt, wird bewahrt:
in guten Zeiten vor Gleichgültigkeit
und in schweren Tagen vor Verzweifelung. <<

Und Recht hats. Es ist schwer in guten Zeiten bescheiden und dankbar zu bleiben, weils wieder normal wird. Aber wenn man sich bewußt jeden Tag daran erinnert, kann man es leben und man wird mit der Güte, Heiterkeit und Üppigkeit des Lebens belohnt.

Achso, von den Mücken zog ich wieder fort und nahm mir auch vor, das nächte Mal besser zu gucken, was an dem Platz faul ist, wenn Sasi, trotz Müdigkeit nicht bleiben will. Ich zog nur etwas weiter hinter, da war zumindestens kein Mückennest. In dem kleinen Tal war hinter mir eine Siedlulng und Straße und vor mir die B 95. So ruhig wurde es nicht und ungesehen war ich auch nicht. So baute ich mein Zelt auf, um nihct allen Blicken ausgesetzt zu sein. Die Esel fraßen vergnügt. Minielas Schnuofen und Husten hatte sich geheilt zum Glück. Nach der besonderen Kippe, schlief ich fast ein, den ich war durch das lange wandern auch richtig müde geworden und wieder hatte ich keine Muse mehr zum Tagebuch schreiben. Ich nahm mir auch vor, ab jetzt entspannter zu gehen und den Höhenausblick auch mal richtig zu genießen und nicht von Ziel zu Ziel zu rasen. Sonst haben auch die Eselchen bei Zeiten keine Lust mehr mit mir zu wandern.
Außerdem wollte ich ja die Langsamkeit üben, ohne zu streßen. Jeden Tag lerne ich was neues dazu. Ich hab jetzt auch die Kunst raus, die Esel am laufen zu halten, ohne das sie nebenbei freßen wollen. Der Nachthimmel wurde klar und kühl...

5. Mai - von Pobershau über Marienberg bis Himmelreich

Die Scheune vom Pferdehof Händel, war unserer Schlafplatz im Heu, Esel schon fertig für die Weiterreise

Ich bin recht zeitig aufgestanden, und trotzdem erst 10.30 Uhr los nach Marienberg. Leider habe ich keine Fotos von der Stadt gemacht. Sie ist eine große Touristenstadt und auch recht reich gesegnet durch das Bergwerk und anderen erzgebirgischen Handwerkskünsten. In der Touristeninformation wollte ich eine neue Wanderkarte holen, da meine Wanderkarte nicht ganz nach Thalheim reichte. Gab es aber nicht, dafür zwei Postkarten.
Ich war in eineinhalb Stunden in Marienberg. Ich fand zwischendurch noch Brunnenkresse und nahm etwas zur Erfrischung. Ein etwas bitteres und scharfes Kraut, dass gut fürs Immunsystem und Erkältung ist.
In Marienberg rief ich Matze an. Mit Matze habe ich in zwei Schulen die Bank gedrückt. Er war da und hatte auch Lust sich mit mir zu treffen, was mich sehr erfreute. Das Treffen war etwas schwierig, aber er fand mich dann doch. Wir freuten uns, uns zu sehen, war auch schon eine Weile her, als wir uns das letzte Mal sahen. Ich hörte, schon eher, das es in Marienberg auch Esel gibt, was ich schön fand und mich neugierig machte. Ich bat Matze da vorbei zu gehen. Und Matze warnte mich vor, das der Besitzer ein komischer Kauz sei, der immer negativ im Stadtgespräch ist. Aber das konnte mich nicht abhalten, ich find ja komische Käuze interessant. So gingen wir vorbei und auch hin. Ich wollte die Esel mal schnuppern lassen. Alles dunkelbraune Esel mit dunklen Schnauzen, typische Schmuggleresel. Dann schrie der eine Esel laut iihaah und brach plötzlich aus der Weide aus, es war ein Hengst und meine kleine Miniela war doch roßig. Und dann begann das Drama... Der Eselhengst begann laut iihaahend meine Esel zu jagen und versuchte sie zu besteigen. Wir versuchten ihn aufzuhalten, doch einen geilgewordenen Eselhengst kann man nicht halten, viel zu groß und kräftig. Ist ja kein Rüde, der eine läufige Hündin wahrnimmt, sondern ein Eselhengst. Mein Zeug viel runter, ich befreite Miniela davon, und sie rannte, wie um ihr Leben. Ich schrie... Matzer rannte los, um den Chefe des Esels zu holen. Sasi kam dann auch dazu, sie wollte er noch besteigen, ach ich krieg das alles gar nicht mehr recht zusammen, das war so ein Chaos und ging alles so schnell. zwischenzeitlich wollte er auch mich besteigen, aber ich konnte ihn, dank Aikido vorbeilenken. Mein Zeug verteilte sich über die Straße, wir behinderten den Verkehr und ich war recht hilflos, da ich auch kein Halfter mehr hatte und er nix trug. Er jagte abwechselnd Miniela und Sasi, der Chefe motzte mich, zu Recht, viesch an und konnte auch nichts richtiges machen, weil der Mensch dieser Kraft nicht so gewachsen ist, zumal der Chefe, ein kleiner dünner alter Mann war. Es kamen auch noch zwie Leute zum helfen hinzu, doch auch recht hilflos... Als ich Miniela bei unten hatte, rannte Sasi nicht mehr weg und so bestieg der Hengst die Sasi. Das war Glück im Unglück, denn die gute Sasi ist unfruchtbar. Das gibt keine Eselkinder in 13 Monaten. Ohje, ich war fertig und erleichtert zugleich. Ich bin Sasi sehr dankbar, dass sie sich für Miniela geopfert hat, denn die kleine ist ja erst zwei und ein Kind. Mit fünf Jahren soll man sie erst decken lassen.
Matze sammelte mein Zeug ein und räumte mit einem Mann mein Zeug weiter weg. Die Esel brachten wir auch zu ihm, der Hengst wurde irgendwie an eine Laterne gebunden und ich suchte noch meinen Rest zusammen, der bei der Aktion verloren ging. Die Frau half mit dabei und fand sogsr meine Sonnenbrille wieder. Vielen Dank, und die Führleine fand ich wieder. Ich war echt etwas zittrig und hatte Angst, dass der Hengst sich losreißt und alles von vorne beginnt. Der Frau gings ähnlich. Dem Chefe erklärte ich, was ich mit zwei bepackten Eseln in Marienberg machte und dann wurde er auch freundlicher. Die Situation hatte sich ja beruhigt. Der Hengst hatte sich aber abgerissen, ohje, ich ging, so ruhig ich konnte, hin, er war völlig verschwitzt, abgekämpft und hatte sich auch beruhigt. Seinen Trieb hatte er ja auch befriedigt. Er blieb stehen und ließ sich anleinen. Ich half dem Chefe noch beim Halfter umlegen, denn mir schien, als wüßte er nicht wie rum man es draufzieht. Es war auch noch zu klein, ein Fohlenhalfter... Aber der Hengst war ruhig und wollte nicht abhauen. Ich entschuldigte mich nochmal für meine Dummheit und hatte auch mein Lehrgeld zu zahlen mit dem ganzen Chaos. So richtig dumm war ich ja, weil ich hörte, dass er einen Hengst hatte und ich ahnte, dass Miniela roßig ist. So, jetzt weiß ich wie das bei den Eseln so zu geht. Ich wünsche mir, das sowas nie wieder passiert, es sei denn es ist gewollt. Auch Pferdehengste gehn auf roßige Eselstuten, woraus ja bekanntlich, die Maultiere entstehen. Das muss ich echt nicht nochmal haben. Zumal ich nicht mit einer schwangeren Eselstute wandern gehn kann. Sie tragen ganze 13 Monate.
Eigentlich wollten Matze und ich gem,ütlich eine Pizza essen, doch auch da hatten wir Pech, denn sie war geschlossen. Wir waren alle ganz schön fertig, vorallem der Matze, sowas hatte er noch nicht erlebt. Ich auch nicht. Er sprach mir ins Gewissen,ob es nicht besser sei, die Reise abzubrechen, aber ich wollte mich jetzt nicht gleich ins Bockshorn jagen lassen. Auch wenn diese Aktion uns ganz schön viel Energie und gute Laune gekostet hatte.
Nach einer kleinen Pause gingen wir weiter, denn es wurde schon nachmittag und ich wollte ja weiter nach Wolkenstein. Matze begleitete mich noch ein Stück und zeigte mir den Wanderweg um Marienberg. Dann verabschiedete er sich von mmir,weil er noch ein Pokertunier hatte, ab 16 Uhr. Durch diese Aktion war unser Treff leider nicht so entspannend und freudig geworden. Wirklich schade, aber ich war froh und dankbar, dass er mit da war, weil er mir doch mit seinen Kräften geholfen hatte. Ohne ihn, wäre es vielleicht nicht so glimpflich abgegangen.
Als ich wieder allein war, fühlte ich mich abgeschlagen und müde, auch den Tieren gings nicht anders. So recht wollten sie nicht laufen. Aber ich trieb sie voran. So kamen wir in eine kleine Siedlung am Rande von Marienberg und da stand auch schon eine Frau mit ihren Fotoapperat parat. oh nein, dachte ich, nicht jetzt. Das sah sie wohl und fragte mich höflicherweise, ob sie uns fotografieren könnte. Ich meinte, dass wir uns jetzt nicht so fühlten, weil wir ganz schön fertig waren durch ein doofes Erlebnis. Sie fragte was denn passiert sei und ich meinte, dass ich ihr alles erzählen würde,wenn wir bei ihr pausieren könnten und ich vielleicht einen warmen Tee trinken könnte. Das ging, also halb abgesattelt, die Tiere auf die Wiese, alle getränkt und dann erzählte ich bei Tee und Keksen meine Geschichte. Dann verstanden sie es und bekundeten ihre negative Einstellung zu dem Eselmann. Ihr Mann war auchs ehr nett, keine Menschen, die ich so normal getroffen hätte. Wir bekamen Besuch von den Frauen und Kindern der Siedlung, die sich über die Eselchen freuten und wir tankten alle wieder auf. Ich bekam noch heißes Wasser für Teekanne, etwas Obst und Gemüse, und Fleischglas für Sulle. Danach konnte sie mich fotografieren und dabei konnte ich wieder lächeln. Das tat uns allen gut. Sie beschrieben mir noch eine Abkürzung zum roten Wanderweg und dann gings weiter. Da trotzdem noch der Schock in den Gliedern saß und die Eselchen nicht richtig Lust zum laufen hatten sang ich ein Lied, was uns alle tatsächlich aufmunterte. Ich kam bis nach Wolfsberg und ging einer Beschreibung nach parallel an der Bundesstr. Richtung Wolkenstein. Zwischen den Feldern verliefen Wiesenstücken mit Bäumen. Mein Ziel war Himmelreich als Nachtlager, was kurz vor Wolkensein lag, aber nicht auf der Karte verzeichnet war. Der Name klang so schön romantisch.
Dann begann wieder Wald und ich lief mitten durchs Haferfeld, in der Traktorspur, weil ich weiter hinten eine Weide sah mit Bäumen. Das erchor ich uns als Nachtlager. Sasi lief mit mir vor und merkte das wir bald eine Rast erreichten und hilet mit durch. Die kleine Miniela schnappte immer wieder beim laufen nach Hafer und fraß im laufen. Als wir ankamen, sah ich dass die Weide eingezäumt war. Shit. Ich lief weiter und irgendwann war nur ein Draht gezogen. Ich prüfte nach Strom und glücklicherweise war kein Strom drauf. Ich hob den Draht hoch und wir gingen hindurch. Unter einem großen und dicht bewachsenen Ahornbaum sattelte ich ab und sie fraßen los. Ich rauchte erstmal eine, um anzukommen und genoß diese wunderbare Aussicht ins Tal. Perchta schenkte uns einen roten Sonnenuntergang und im Osten zogen die Regenwolken auf. Mit dem Fernglas schaute ich ein wenig um und da aufeinmal Rinder sichtbar wurden prüfte ich gleich, ob Weidezaun gezogen war.Zum Glück gehen Stiere nicht auf roßige Esel. Alles war gut. Auch die Geister des Platzes waren uns wohl gesonnen, denn ich fühlte mich sehr sicher. Sulle und ich aßen auch etwas und dann ließ ich die Münze entscheiden, ob ich das Zelt aufbauen soll. Ich sollte. Die Regenwolken haben mich auch unsicher gemacht. Und das war auch gut so, so konnte ich mir gleich ein System überlegen, was mit im Zelt gelagert wird und was draußen in die Plane gewickelt wird. Außerdem fing es Nachts tatsächlich an mit kurzen Regen...

Montag, 14. Mai 2007

4. Mai - über Ansprung nach Pobershau

Pferdehof Händel in Pobershau - Schlafplatz im Heu und neues Heu für Eselchen
Bühne der Ore Mountain Ranch
Ore Mountain Ranch in Ansprung
Gelände der Ranch
Helmut der ältere Besitzer war sehr zurückhaltend, aber gastfreundlich
verkaterter Start von der Pulvermühle


Mit einem Katergefühl erwachte ich zeitig am Morgen und stand gegen 7 Uhr auf. Ich ging erstmal kalt duschen, in der Hoffnung, dass mein Kopf leichter und mein Körper munterer werden würde. Es half nur kurzzeitig. Dazu kam die Dehydrierung des Körpers nach dem Alkohol und ich trank einfach viel, um dem entgegen zu wirken. Ute hatte eine riesige Teetasse und guten Kräutertee da, welchen ich mir aufbrühte, und als Frühstück zu mir nahm, denn feste Nahrung wollte mein Körper nicht so recht haben. Oh je, wie sehr man doch am nächsten Tag diesen Alkohol verflucht und sich schwört nie wieder zu trinken. Ist doch jedes mal das Gleiche. Ich glaube auch, dass mein Körper ihn stärker aufgenommen hat, als früher, da er nach Anstrengung stärker wirkt. Nun ja, ich musste halt durch.

Ute und ich unterhielten uns noch ein wenig, über die Männer, Freiheit und so weiter. Ich schnitt ihr die Haare, da ich es ihr am Vorabend versprochen hatte, doch mit Kater ist das gar nicht so einfach. Sie gefiel sich und das ist doch immer die Hauptsache. Ich war froh meine Scheren mit dabei zu haben, um mich revanchieren zu können für herzliche Gastfreundschaft. Die Brötchen, die ich zum Frühstück nicht verzehren konnte, packte sie mir und noch andere Leckereien und dann ging es wieder los.

Die Sonne glühte schon am Himmel, ich schmierte mich mit Schutzcreme ein, sah danach total weiß aus, welches meine Katerblässe noch unterstrich und fühlte mich eher beschissen. Ja, auch dieses Erfahrung muss man mal gemacht haben. Dann weiß man, dass man Abends wenig Alkohol trinkt oder gar nicht, da der Kater doch sehr hinderlich ist zum wandern. Ich wollte aber weiter, da jetzt im Radio eine Regenzeit angekündigt wurde, die auch dringend von der Erde benötigt wurde. Ich hatte noch ca. 50km bis nach Thalheim vor mir und das kommenden Wochenende sollte die Regenzeit beginnen, vielleicht auch erst am Montag. Ich gruselte mich noch davor in den Regen zu kommen und hatte mir fest vorgenommen, vor der großen Regenzeit bei meiner Tante anzukommen.
Ich weiß natürlich auch, dass man nicht davor abhauen kann, er völlig natürlich und wichtig ist für die Natur, gerade jetzt wo es schon über einen Monat nicht mehr geregnet hatte.

Nun, ich lief also verkatert los. Ute erklärte mir noch einen schönen Weg nach Ansprung, so dass wir nicht den gesamten steilen Berg erklimmen mussten, sondern nur bis zur Hälfte und dann ging es über eine kleine Holzbrücke, wo die Esel ohne zu zicken drüber liefen, was mich doch sehr erstaunte. Wir liefen dann immer am Bach flussaufwärts einen schmalen Pfad entlang, wobei den Eseln die Nähe zum Wasser nicht so gut gefiel, sie mir aber ohne großes Gezicke folgten.

Die Frische am Bach tat sehr gut, ich entdeckten auch Brunnenkresse, welche nur an Wassern zu finden ist, die völlig rein sind. Da pausierte ich kurz, denn sie ist sehr wohltuend und kräftigend, ebenso so wie das klare, kühle Wasser, welches mich erfrischte und fließender machte. Brunnenkresse ist sehr stark im Geschmack, scharf und die Alte etwas bitter. Sie stärkte mich tatsächlich und weiter ging es, mal wieder bergauf, wobei Miniela Sasia besser antreiben konnte als ich, indem sie sie von hinten mit ihren Schnauze anstubste. Esel lassen sich wohl von Eseln mehr sagen ;o) Manchmal dachte ich, dass ich mich übergeben müsste, aber es hielt sich in Grenzen.

Als wir den Berg oben waren, lief Sasia wie von allein. Sie wusste wohl, dass wir im nächsten Dorf pausieren würden und lief durch. Ich war fasziniert von ihr, nie konnte ich sie ohne Leine laufen lassen, doch jetzt schon.

Vor dem Dorf, Ansprung, waren Feld und Wiese. Zu meiner rechten sah ich ein Wildgatter und Koppeln. Im Dorf stand ich dann ziemlich dumm rum und wusste nicht so recht wohin mit uns. Ein alter Man schaute aus dem Fenster und beguckte uns. Ich grüßte freundlich so dreimal, er reagierte nicht. Dann fragte ich ihn, ob es hier jemanden gäbe, der Tiere hat und Heu. Das fragte ich ihn bestimmt fünfmal bis er mir antwortete. Er schickte mich zu einer Ranch am Dorfrand, die „Ore Mountain Ranch“. Das Dorf wirkte leer und auch die Ranch. Ich klopfte am Saloon und da war drei Männer, einer davon war der Besitzer, welchen man sofort erkannte. Ein älterer Mann mit weißmelierten Haaren, dicken Koteletten und Schnurrbart, so wie man im wilden Westen die Haare trägt. Er war sehr zurückhaltend, ließ uns aber bei sich rasten, worüber ich sehr glücklich und dankbar war. Seine Zurückhaltende Art tat mir in diesen Moment sehr gut, da ich ganz schön müde und fertig war, vom Kater und 6km fast nur Berg auf laufen. Ich leinte die Esel an, ließ sie grasen und aß selbst etwas. Auch schlief ich noch eine halbe Stunde oder so.

Ich wollte den Chefe der Ranch fragen, ob er die Hufe der Esel etwas nachbessern könnte, da sie mittlerweile so hart geworden sind, durch das laufen, dass ich sie nicht mehr schneiden konnte. Ich fragte ihn auch, aber er hatte keine Zeit und Lust dazu. Er schickte mich nach Pobershau, da gibt es einen Haflingerhof, wo die Besitzer Kutschfahrten machten und so. Ich dachte erst, dass es blöd von mir war, mich einfach so bei ihm auf seinen Grundstück niederzulassen, um zu rasten, da er so zurückhaltend war und auch ein wenig mürrisch. Dennoch bat ich ihn, um eine Wegerklärung und heißes Wasser für einen Cappuccino. Er murrte, aber erklärte mir es dann doch und da kamen wir uns etwas näher. Er öffnete sich ein wenig. Ich war auch sehr neugierig auf sein Tun, denn das Gelände ist sehr schön aus Holz gestaltet, mit großer Bühne, Gasthäuschen, eben einen Saloon, gepflegt und ansehnlich. Er wirkte auf mich wie ein Tom, hieß aber Helmut. Wir rauchten eine und er erklärte mir anhand einer genaueren Wanderkarte von ihm den Weg nach Pobershau. Auch zeichnete er mir ihn auf. Ich war sehr erleichtert, dass es doch noch herzlicher wurde. Er murrte über meine schlechte Wanderkarte und schenkte mir am Ende seine gute Karte, wofür ich ihn sehr dankbar bin. Er schien mir wie ein alter Einsiedler, welcher nach außen hin mürrisch und knurrig ist, aber innen ein großes Herz hat. Er war auch nicht neugierig und stellte mir kaum Fragen. Das war mal was anderes für mich und sogar angenehm. Dann musste er los.

Er gab mir noch eine Schaufel, mit der ich den Eselmist entfernen konnte und dann packte ich erneut. Dabei kam eine ältere Frau, die mitbekommen hatte, dass hier jemand mit zwei Eseln ist. Sie quatschte mich ohne Hemmungen zu. Sie war wohl die Dorfverrückte, würde ich meinen, doch meine ich dass nicht abwertend, denn sie ist sehr Naturverbunden und schien einiges über Kräuter zu wissen. Doch ganz „normal“ war sie auch nicht. Nun, sie wollte weiter vorne auf mich warten und ihr gesammeltes Brot den Eseln schenken. Helmut steckte ich als Dankeschön noch eine der gefundenen Federn von der Lehnmühle ans Tor, dass sie ihm Glück und Schutz bringe.

Die Frau stand tatsächlich mit zwei Tüten getrockneten Brot da und schenkte sie den Eseln, doch wusste ich gar nicht, wohin damit und steckte es in den Wassereimer.
Und weiter ging es, etwas gestärkter, quer über die Kuhweiden, die noch nicht umzäunt waren. Es grüßten mich ein Paar Motorradtourer, welche eben anders reisten. Helmuts Beschreibung konnte ich gut folgen, bis eine bereits eingezäunte Weide kam und ich einen Weg folgte, der auf Dauer in die falsche Richtung führte. So bog ich irgendwann nach links ab, über die Weide und kam bei einem Aussichtspunkt an einem Waldstück heraus. Von da führten zwei Wege ab, nach links und rechts steil runter ins Tal, wo ich hingelangen gesuchte. Ich pausierte kurz, um mich zu besinnen, welcher Weg der richtige für uns sei und wählte den linken. Doch dort kamen wir auf dem normalen Wanderweg nicht durch, da zwei Bäume so eng beieinander standen, dass Sasia mit ihrem dicken Gepäck nicht durch passte. Ich lief drumherum und ging einfach durch den Wald nach unten, was für uns eine Mutprobe darstellte, denn der Hang war ziemlich steil und felsig. Miniela ließ ich los von der Leine und führte nur Sasi, denn eine Verhedderung im Seil hätte tragische Folgen haben können.

Wir schafften es mit etwas Angstschweiß heil auf den Wanderweg zu kommen. Da fiel Minielas Sattel ab und der erste Beutel mit dem Brot riss entzwei, worüber sich die Eselchen sehr freuten und es reinschnurbsten. Ich ließ sie etwas schnurbsen und ging weiter, bis Minielas Sattel wieder abfiel, was mich sehr erfreute. Wieder neu satteln... Zum Glück hatte es lange nicht geregnet, denn wir kamen an einem Feuchtgebiet entlang, wo nur zwei Bretter zum drüber laufen bereit lagen, welche die Esel nicht besteigen wollten und dann kamen wir aus dem Wald raus und ich sah im Tal ein Dorf, doch wusste ich nicht, was dies für ein Dorf ist. Das fand ich heraus, als erneut der Sattel von Miniela fiel und ich schon wieder satteln musste. Da kamen nämlich zwei Mädchen im Jugendlichenalter und stellten mir neugierige Fragen. Ich antwortete und stellte ebenso neugierige Fragen. Ich war in Pobershau raus gekommen, juhu, dachte ich. Sie kannten auch den Haflingerhof Händel. Sie erklärten sich bereit uns ein Stückchen zu begleiten und beschrieben mir den Rest des Weges.

Wir mussten den Berg wieder rauf. Ich dachte schon daran, darauf zu verzichten und einfach unten im Tal zu rasten, aber naja, ich folgte den Mädchen. Ich bemerkte, das Pobershau eine offene und doch recht reiche Kleinstadt ist mit viel Tourismus und Bergbautradition.
Es gab auch Lamas oder Alpagas?, zum wandern und reiten. Die Esel hatten gar keine Lust mehr bergauf zu gehen, auch ich nicht, dennoch trieb ich uns voran, dass wir dann vielleicht Heu und ein trockenes Plätzchen zum schlafen hätten. Es waren dann doch noch mal ca. 2km bis ich endlich beim Pferdehof ankam und direkt wieder auf dem roten EB-Weg. Ein Reiterin wollte uns eigentlich noch überholen, aber das Pferd scheute vor uns und ließ sich nicht dazu bewegen uns zu überholen.

Als wir endlich ankamen, ging ich auf den Hof, die jungen Haflinger waren etwas aufgeregt, aber nicht panisch. Haflinger haben ein gemütlicheres Wesen als die großen Reitpferde, deshalb nennt man sie Kaltblüter, da sie nicht so schnell hitzig werden, wie die Warm – und Vollblüter. Ein paar Männer waren auf dem Hof und arbeiteten. Ich ging auf sie zu, erzählte kurz meine Story und von Helmut und sie hießen mich an zu warten, da die Besitzer nicht anwesend waren. 10 – 15min später kamen sie, Frau und Herr Händel. Noch einmal erzählte ich meine Story und dem Tipp von Helmut und so hießen sie uns für diese eine Nacht willkommen. Ich konnte die Esel auf eine Weide bringen, wo sie sich etwas austoben und wälzen konnten. Dann kam ein kurzer, aber heftiger Regenschauer. Beide waren noch sehr beschäftigt.

Frau Händel war etwas redseliger und Herr Händel, wie Helmut ruhiger und introvertierter. Das irritiert mich meist, weil ich glaube, es ist doch nicht ok bei ihnen zu sein und einfach zu fragen, ob wir hier nächtigen könnten. Ich war mir selbst überlassen und bemerkte das die Jungs einen improvisierten Stall bauten für die Eselchen. Also drei Holzstangen zurecht schnitten, als Absperrung. Das überraschte mich positiv und gab mir mehr Sicherheit. Dadurch, dass ich fertig war von diesem Reisetag mit Kater und dem vielen, steilen Berg auf und ab, war ich selbst nicht mehr so redselig und eher in mich zurückgezogen.

Es kamen dann die Frauen von den Männern und es wurde gegrillt. Ich hörte von einer, dass es hier im Dorf auch Esel gäbe und ich entschloss mich mal gucken zu gehen, allerdings ohne meine Tiere. Selbst Sultan hatte keine Lust mehr zum laufen und blieb auf dem Hof. Ich fand den Hof, nach einigen Fragen, klingelte bei ihnen an und dachte im selben Moment: „Was mache ich hier eigentlich? Einfach so bei wildfremden Menschen klingeln, nur weil sie Esel haben? Was sollen sie von mir denken?“ Nun, es öffnete mir eine ältere Frau. Ich erzählte ihr die Geschichte, sie glaubte mir kein Wort und wollte auch nicht, dass ich ihre Esel anschaue. Dabei war ich nur neugierig auf die Besitzer und ihre Esel. Wie sie drauf sind und so. Naja, ich spürte ihre Angst verarscht zu werden. Und ich merkte erstmal, wie ich ohne Esel und Gepäck auf die Leute wirke. Kein Vertrauen in Fremde, obwohl ich eine kleine Frau bin und man vor mir nun wirklich keine Angst haben braucht. Das machte mir selbst ein wenig Angst und bange, ich war sehr dankbar, dass mich die Eselchen begleiteten, und ich mich nicht dazu entschieden hatte ganz allein zu reisen.

Ich ging grübelnd zurück zum Hof, berichtete mein Erlebnis und kam mir blöd vor, meine Gastgeber nicht zu würdigen, indem ich bei anderen anklopfte. Beim Essen gab es etwas Gespräch, doch war ich eher müde, nicht so redselig und selbstsicher, wie sonst. Sie beschrieben mir noch einen kurzen Weg nach Marienberg, erzählten mir, dass es auch dort Esel gäbe und ich ja dort meine Esel schwängern lassen konnte, da es da einen Hengst gab. Ich war wieder neugierig und dachte nicht wirklich nach.

Aber an Matze dachte ich, ein Kumpel mit dem ich in zwei Klassen gesessen hatte. Einmal in der Ausbildung zur Gestaltungsassistentin und danach beim Fachabitur für Gestaltung. Ich rief ihn an und er war sogar zu Hause und hatte Zeit sich mit mir am nächsten Tag zu treffen. Ich freute mich schon sehr darauf, da wir uns schon lange nicht mehr gesehen haben und er eine vertrauter Mensch ist. Dann brachte ich die Esel in ihren Stall, ich lag daneben, wo ich aus Heuballen mir ein Bett machte und ging zeitig ins Bett. Es regnete nicht mehr und klarte sogar wieder auf, wofür ich mich sehr bei Perchta bedankte. Ich betete bei ihr auch immer, um Regenfreiheit bis Thalheim, was sie anscheinend gestattete.