Montag, 14. Mai 2007

3. Mai - über Rehök nach Olbernau, Pulvermühle

Ute von der Pulvermühle, die mich zur Nachtrast einlud
Mittagsrast an der Rehök bei Familie Ziegert
Liebe Menschen, die mir Essen und Offenheit schenkten


Wir hatten eine ruhige Nacht und so bin ich erholt zeitig aufgewacht und vor allem auch aufgestanden. Das ist nämlich auch wichtig, denn manchmal wache ich zeitig auf und mag aber noch gar nicht aufstehen, was sicherlich ein jeder kennt. Gut, gemütlich Kihon geübt, gefrühstückt, geraucht und die wärmende Morgensonne genossen. Auch auf dem ohnehin schon vollgeschriebenen Tisch habe ich mich noch verewigt und den Besitzern einen kleinen Brief geschrieben, damit sie wussten, was hier, während ihrer Abwesenheit los war und sie die Möglichkeit eine Beschwerdeanschrift haben. Glücklicherweise ist bisher nichts eingetroffen, wofür ich sehr dankbar bin.

Dann hieß es packen, putzen, satteln, Eselmist entfernen und losgehen. Ein wenig Heu für die Eselwegzerrung hatte ich auch noch eingepackt. Sasi war sehr erleichtert, dass wir weiter gingen. Wir kamen durch Heidersdorf, dort füllte ich Wasser für uns in der Kuhanlage auf. Und weiter ging es über Feldwege, vorbei an riesigen Windkraftanlagen. Die Esel waren nicht so lauffreudig, schon nach kurzer Zeit bemerkte auch ich meinen Hunger, obwohl ich erst gefrühstückt hatte. Lee hatte mir empfohlen Zwieback und Knäckebrot mitzunehmen, weil es schön leicht ist. Doch das macht absolut nicht lange satt. Auf dem Wanderweg gab es einen Hinweis eine Rastkneipe der Familie Ziegert. Ich hoffte, dass sie geöffnet hatte, denn ich hatte nichts mehr. In Olbernhau wollte ich mir was zu essen besorgen. Aber es war mitten in der Woche und keine Session. Ich trieb also die Esel bis dahin.

Dort gab es nur sie und ein anderes Haus, also sehr einsam gelegen, aber wunderschön. Und ich hatte Glück, denn ihre kleine Kneipe war direkt am Wohnhaus und beide Besitzer waren zu Hause. Ich fragte erstmal, ob es überhaupt ginge, was zu essen zu bekommen. Sie hatte nicht mehr als Bockwurst mit Brötchen. Das ist nun gar nicht mein Leibgericht, aber da ich Hunger hatte, nahm ich auch diese kleine Mahlzeit an. Sie hatten sogar einen Pferdeparkplatz, der jetzt Eselparkplatz wurde. Toll. Ich setzte mich in die Sonne mit Wasser, Tagebuch und Tabak. Frau Ziegert war total nett, sie brachte für Sultan Hundefutter und Wasser. Auch für die Esel gabs was kleines. Und dann brachte sie mir einen Kaffee. So saßen wir kurz gemeinsam in der Sonne, rauchten, tranken Kaffee und schwatzten. Ich erzählte ihr meine Geschichte und sie mir etwas von ihrer Geschichte. Dann gab es die leckere Bockwurst und von ihren Mittagstisch Bohneneintopf. Das fand ich echt spitze und hab mich riesig gefreut. Sie war ein wenig schüchtern als sie mir ihn anbot, als ob das nichts Wert oder was zu essen wäre. Ich freute mich riesig darüber und er schmeckte auch viel besser als Bockwurst, vom größeren Nährwert noch abgesehen.

Ihr Mann gesellte sich auch noch dazu und wir führten ein interessantes Gespräch übers aussteigen, Dresden und speziell noch über die Neustadt. Sie kommen ursprünglich aus Dresden. Er war mal Kapitän auf einem der Elbdampfer. Beide junggebliebene Leute, die hier ihre wohlverdiente Ruhe genießen und noch ein wenig Geld mit der Raststätte verdienen. Kurz vor dem losgehen bin ich noch auf Klo, auch um mich zu waschen. Sie bot mir an, dass ich duschen könne, wenn ich wolle. Was ich erst bescheiden ablehnte und dann doch gerne in Anspruch nahm, denn ich war schon verschwitzt und so. Oh, das war auch super angenehm, wieder so frisch zu sein. Ein völlig anderes Körpergefühl.

Als ich bezahlen wollte, nahmen sie es nicht an, schenkten mir das gute sättigende Mittagsmahl und dazu gab es noch zwei belegte Schnitten, ein Apfel und eine Orange. Total süße Geste. Dankbar nahm ich es an. Beim Esel ansatteln kamen Bekannte zu ihnen und da gab es noch ein kurzes Schwätzschen. Ich fotografierte Frau und Herrn Ziegert, da ich sie gern auch in visueller Erinnerung haben wollte. Ich dankte ihnen nochmal von ganzen Herzen, wünschte alles Liebe und zog heiter weiter nach Olbernhau. Auf dem Wanderweg fand ich einen richtig schönen kristallinen Stein. Erst ging ich an ihm vorbei, doch dann hielt ich an und nahm ihn mit, als wäre er für mich bestimmt. Er hatte was besonderes an sich. Im Erzgebirge glitzerts immer mal auf dem Wegen, aber dieser war besonders schön. Ich sammle gerne Steine und lass sie dann an anderen Orten oder Menschen. Manche behalte ich auch. Diesen wollte ich behalten, er hatte gute Kraft in sich.

Nach Olbernhau führten zwei Wege, einer mit 5km, der andere mit 3km einfach gerade aus. Diesen nahm ich dann. Der EB-Weg war der längere, er ist vielleicht auch attraktiver und nicht so steil. Denn jetzt ging es steil bergab, juhu. Miniela lief schnell und Sasi musste langsam gehen, wegen dem Gepäck und weil sie bergab allgemein langsamer ist. Lieber vorsichtig. Miniela rennt am liebsten Berge hinab. Das war zu Anfang richtig schwierig, wegen der Mitte. Ich war quasi fast zerrissen zwischen den beiden. Es kostete Kraft Miniela zu bremsen, dass Sasi hinterher kam. Irgendwann ließ ich Miniela laufen.

Wir waren fast in Olbernhau, denn jetzt kamen Kleingärten. Die Leute schauten uns an und waren freundlich. Dann fiel Sasi´s Sattel ab. Oh, ich schimpfte erstmal ein wenig. Nütze aber nichts, ich musste neu aufsatteln. Eine Frau hatte mich wohl dabei beobachtet wie ich so vor mich hinmeckerte und fragte, ob ich Hilfe bräuchte. Ich verneinte freundlich. Sie kuschelte Sultan durch den Zaun und stellte mir allerlei Fragen, auch wie ich an Essen ran käme und was ich da so unterwegs esse. Ich sagte ihr, dass ich in Olbernhau was einholen wöllte und eben so Büchsenfutter kaufen, da es sich am besten hielte. Da stürzte sie freudig los und brachte mir einen Beutel voll mit Fischbüchsen, Hundefutter, Suppen, Oliven, Brötchen, Mineralwasser und Süßes. Sie plünderte ihren Gartenvorrat für mich. Wow. War ich überrascht, natürlich auch erfreut und nahm es dankbar an. Die Suppenbüchsen waren allerdings ziemlich schwer, so nahm ich nur zwei mit und brauchte nicht mehr einkaufen gehen, was mich erleichterte. Wir verabschiedeten uns und weiter ging es bergab ins Tal und in die Stadt, ohne das ein Sattel fiel.

Es war gerade Feierabendverkehr, ja und selbst in Kleinstädten gibt es genug Menschen die mit ihren Autos Stau verursachen. Wir ernteten die nun mittlerweile etwas gewohnten Blicke. Mein Ziel war nicht auffällig zu sein, preiswert zu reisen und die Tiere, die mir die Last der Gepäcks abnehmen sollen. Die Idee der Gepäckerleichterung war super, aber doch sehr auffällig, wie es sich nun immer mehr rausstellte. Was mir einerseits nicht sehr behagte, und andererseits doch einige Türen zu interessanten Menschen öffnete.

Ich fragte mich durch nach dem EB-Weg, der in den Städten nicht mehr so leicht zu finden ist, musste dabei durch einen Park und rastete in diesem. In dem Park waren Menschen aller Altersgruppen zu sehen, die sich an dem schönen sonnigen Frühlingswetter ergötzten. Mit wenigen kam ich ins Gespräch. Die Esel standen im Mittelpunkt des Geschehens, doch diese interessierte das überhaupt nicht. Sie fraßen, tranken, kackten und piesselten völlig öffentlich in einen öffentlichen Park.

Der Weg bis zum Wald war doch recht lang, zwei Leute begleiteten mich noch kurz ein Stück und beschrieben mir den Weg. Langsam ging es wieder bergauf, und wie ich erfuhr war der Weg nach Marienberg ordentlich steil. Das hatten die Esel wohl auch gehört, denn so richtig wollten sich nicht mehr laufen. Es war auch schon wieder gegen 18 Uhr, Rast – und Abendbrotzeit zumeist. So schweifte mein Blick nach einem geeigneten Schlafplatz für uns. Es gab ein altes Mühlengelände, aber zu offen und einsichtig, also weiter. Oh, und da gab es noch ein Haus am Bach, da saßen Leute draußen und grillten lecker. Ich fragte sie, ob es hier in der Nähe einen geeigneten Ort zum rasten gäbe, weil die Esel partout nicht mehr den Berg hoch wollten, der tatsächlich steil war. Sie schickten mich auf einen Platz der gut wirkte mit Bächlein und Futter für die Esel. Sasi war aber ganz und gar nicht einverstanden und wollte nur weg von diesem Platz. Nach einigen Minuten wussten ich warum. Oberhalb des Platzes gab es mal einen Teich, der zwar abgelassen war, aber noch genug Möglichkeit zum brüten gab, für Mücken. Juhu.

Sasi entwickelte eine große Stärke, die kaum zu bremsen war und ich wusste gar nicht, was ich jetzt tun sollte. Ich schleppte mein Zeug von einer Ecke in die Nächste, doch überall waren die kleinen Biester. Selbst unter den Nadelbäumen schwirrten sie umher und freuten sich über ihre frischen neuen Blutopfer. Ich war ratlos. Sasi ringelte sich um den Baum und scharrte wie verrückt. Schon allein das machte mich verrückt. Doch, welch ein Wunder, es kamen die Grillleute mit einem Grillteller und einem Bier zu mir. Sie sahen das Desaster, auch das ich noch nicht mal in Ruhe essen konnte und luden uns zu sich ein. Yeah, war ich dankbar. Dort hätte ich niemals eine ganze Nacht verbringen können.

Sie nahmen etwas Gepäck mit, Sasi ließ sich auch kaum noch satteln, außer Miniela war recht cool, aber auch nicht über die Mückeninvasion erfreut. Sasi lief so schnell, dass ich sie nicht mehr halten konnte und sie lief direkt in das Grundstück, was nun unser Nachtlager sein sollte. Sie wusste es ganz genau. Super Esel! Sie wollte ja auch schon eher dahin, als ich die Leute noch fragte, doch das war für mich völlig ausgeschlossen. Es war eine ganz schöne Aufregung, denn ich musste meinen ganzen Kram erstmal ablegen und wurde gleich zu Tisch gebeten. Die Esel fix angeleint, aber viel zu lang, so dass sie an meine Tasche konnte und Sasi macht sich da ja nichts daraus mir meine Futtertasche auszuräumen. Und da sagt mir einer, das Esel keine Raubtiere sind. Sie räubern, wo es nur geht. Und zu unterernährt ist Sasi nu auch nicht, wenn man sie so sieht, dass sie räubern müsste. Miniela tut es ihr gleich, auch sie hat keine Ernährungsprobleme, zumal für die Esel alles auf und in der guten Mutter Erde wächst.

Ute, die Chefin des Hofes, fiel dann ein, dass sie noch Hafer und Rübeneschnitzel da hatte, welches immer für die Wanderreiter bestimmt war. Davon bekamen die Esel was und sie hauten tüchtig rein.

Ich bin bestimmt dreimal aufgestanden, bis ich endlich entspannt am Tisch sitzen bleiben konnte. Das Essen war köstlich, auch das Bier, dieses 5,0% Bier. Es wurde ein feuchtfröhlicher Abend mit herzhaften Gesprächen, gutem Schnaps und Bier.
Das ich in der Pulvermühle gelandet bin bemerkte ich erst später, als wir schon ein wenig betütelt waren, als Ute alkoholischen Nachschub holte und ich ihr dabei half. Da sah ich den Gastraum, die Küche und den Tresen. Es war für mich schon irgendwie verrückt. Wir entzündeten auch ein Feuer, obwohl Brandschutzstufe war, denn es hatte ja immer noch nicht geregnet. Aber Ute war recht cool und machte sich keine Sorgen. Ihre Gäste schon mehr, sie waren auch beide Beamte. Der eine bei der Drogenfahndung und sie eine Gerichtsvollzieherin. Das ergab interessante Themen. Sie kamen aus dem Westen Deutschlands um hier zu urlauben. Nun, irgendwann waren wir alle eben gut betütelt und gingen ins Bett.

Alle drei Gäste des Hauses wollten am nächsten Tag weiter mit zeitigen Frühstück. Die Esel waren draußen sicher aufbewahrt und ich schlief drinnen mit Ute in ihrem großen Bett. Das ging in unseren Zustand am schnellsten und so schlief ich auch fix ein.

2. Mai - Neuclausnitz bis kurz nach Sayda

Ausblick von der Terasse aus
Esel wälzen sich fröhlich
Miniela müde
Sasi im Vorgelände
Sattelstange und Sultan
Die Terasse der Ausssteigerranch
wunderschön

Schlafplatz Neuclausnitz von außen
Schlafplatz von innen - Neuclausnitz



Durch das offene Land bin ich zeitig durch die aufgehende Sonne geweckt wurden. Miniela hatte den Schal während der Nacht heruntergerissen, jetzt lag er im Dreck und die Esel sind einfach darauf herum getrampelt. Nicht schön. Aber es gibt schlimmeres. Ich teilte das letzte Wasser unter den Tieren auf und behielt etwas für den Cappuccino. Es war ein angenehmer sonniger und frischer Morgen. Nach dem Frühstück kam das tägliche Ritual des Esel bürsten und Hufe auskratzen, wobei die Hufe auch jedem Abend ausgekratzt werden müssen und manchmal auch unterwegs, je nach Wegbeschaffenheit. Auch löste ich den Schutzkreis wieder auf, das sollte nicht vergessen werden.

Der alte LPG-Weg erwies sich als recht stark befahren. Wir wurden oft belächelt. Egal in welcher Form, unser Anblick erzeugte bei den meisten Menschen ein Lächeln im Gesicht. Das ist was Gutes. Selten wurden wir auch mal argwöhnisch beguckt. Da hilft auch meist ein Lächeln meinerseits und ein freundliches „Hallo“.

Am Rande von Clausnitz gab es eine Kuhstallanlage. Zwei Frauen machten draußen etwas sauber, ich ging zu ihnen und fragte sie, ob ich die Tiere mal tränken dürfte und in meine Flaschen Wasser nachfüllen. Sie waren sehr freundlich und freuten sich über die Eselchen. Wenig Menschen kennen Esel in Echt und Natura. So erzeugen meist Freude bei den Menschen, ob groß oder klein. Später bemerkte ich, dass sie nicht nur meine Gepäckträger sind, also ein Mittel zum Zweck, sondern den Menschen auch Freude bringen konnten, was mir auch Freude brachte.

Den Durst gestillt ging es weiter, an einer anderen LPG vorbei. Niemand hatte etwas Heu übrig für die Esel. Auch in der vorherigen war nichts zu machen. Esel brauchen nämlich immer Heu, Stroh, einfach trockene Kräuterpflanzen, weil ihr Magen es besser verträgt und das Gras im Frühjahr zuviel Eiweiße enthält, was zu Durchfall und im schlimmsten Fall zu Hufrehe führt. Beim Wandern verarbeiten sie das Eiweiß zwar gut, dennoch ist Heu das Beste Benzin für sie.

Aus dem Dorf heraus ging es wieder bergauf in den Wald, Richtung Kreuztanne. Ein fast reiner Fichtenwald, mit zahlreichen Kräutern am Wegesrand. Auch Hufflattich. Ich ließ Miniela immer wieder davon fressen und sie suchte sich auch dieses Kraut aus. Tiere wissen wohl instinktiv, welches Kraut gut für sie ist und welches nicht. Esel sind wahre Kräuterliebhaber und suchen sich nur das Beste raus.

Die Esel wurden so langsam müde und wollten pausieren, mir ging es genauso, aber im Wald gibt es wenig Futterflächen für Esel, so lief ich noch bis zum Waldende. Die Wälder hier sind nicht sehr groß, weil viel Holz verarbeitet wird. Es sind auch fast ausschließlich Industriewälder oder Privatwälder, dennoch naturnäher als in Brandenburg. Im Erzgebirge wird viel mit Holz gebaut und fast ausschließlich damit im Winter geheizt. Es war hier auch immer ertragreicher, fruchtbarer Boden, bis die Chemiewerke der DDR und CSSR vieles verseucht haben. Heute ist es in anderen Ländern nicht anders, leider, wenn man bedenkt, dass die Erde uns alles gibt was wir zum Leben brauchen.

Eben am Waldende, kurz vor der Kreuztanne, welche ein großes Hotel darstellte, beschloss ich Mittagslager zu machen. Die Esel waren erleichtert und ich auch. Von hier aus fiel das Land leicht ab ins Tal und ich konnte Dörfer von hier aus sehen, eben wie das Hotel „Kreuztanne“. Ein kleines Dorf hatte mir Peter als Nachtlagerstation empfohlen, da wohnte eine Bekannte von ihm, aber es war noch zu früh am Tage für mich, um schon Nachtlager für uns einzurichten. Ich entspannte mich gut in der Pause, aß, schrieb und trank was. Dann hielt ein dickes Auto (Jeep) neben mir an und heraus kam ein kleiner alter hutzliger Mann, der mich auf unseren ungewöhnlichen Anblick ansprach und mich ausfragte, wo ich denn her sei und wo es hin ginge...

Es wurde ein sehr nettes Gespräch und dann am Ende fragte er mich, ob er mich mal kusseln konnte. Das überraschte mich und ließ mich stutzen. Ich sagte „Nein, wozu?!“ Und dann wollte er tatsächlich mich kusseln und begrabschen, dieser alte Mann von ca.70 Jahren. Das war unfassbar für mich. Ich war natürlich ganz und gar nicht mit der gewollten Nähe einverstanden und zeigte ihm Abwehrverhalten. Daraufhin meinte er doch, dass er mir nichts tun wolle, nur begrabschen und kusseln. Ich erklärte ihm, dass ich ihm aber was tun werde, wenn er nicht sofort verschwindet. Und das tat er dann auch recht schnell. Ich war total empört und fand es abscheulich. Nur, weil ich allein als Frau unterwegs bin, bin ich noch lange keine, die man sich einfach nehmen kann. Unglaublich frech... so ein alter Mann. Hoffentlich hat er keine Tochter und/oder Enkelinnen.

Danach rauchte ich erstmal noch eine und meine Entspannung war nicht mehr so groß. Laufen hilft da immer, deshalb wieder aufgesattelt und weiter, an der Kreuztanne vorbei und einen Feldweg runter Richtung Sayda. Das Dorf war von weitem schon sichtbar. Vor mir lief eine große Gruppe von Rentnern, die einen Spaziergang machten. Da sich der Weg so bog und wand, auch recht schottrig war, kürzte ich über die offene Weide ab. Das erwies sich aber auch als schwierig, weil die Wiese so saftig grün, die Esel zum Fressen einlud. So ging ich dann wieder auf den Weg und überholte die Gruppe Senioren, welche über 20m verteilt auf dem Weg lief, gemütlich schwatzte und lachte. Sie staunten nicht schlecht, als wir plötzlich in ihrer Mitte aufkreuzten und sie überholten. Selbst ich war überrascht, denn wir sind ja schon langsam unterwegs, dennoch überholte ich sie langsam. Sie waren belustigt und neugierig, stellten mir Fragen und machten Witze über uns.

In Sayda angekommen, wollte mich einer unbedingt fotografieren, wozu ich stehen bleiben musste. Ich fragte ihm nach einer Spende dafür, er war einverstanden und meinte dann, dass er unbedingt der Bildzeitung von Chemnitz Bescheid geben musste, was ich nicht so toll fand. Ich war jetzt eher darin interessiert wie ich auf den roten EB Fernwanderweg komme, der durch Sayda führte. EB steht für Eisenach – Budapest. Ich würde bis Wolkenstein in benützen, um nach Thalheim zu kommen. Es waren noch ca. 70km, bis dahin. Ein alter Mann, der oberhalb des Weges an einem Rastplatz saß und Bier trank, wusste den Weg und erklärte ihn mir. Dazu musste ich ein Stück durch Sayda, was schon fast eine kleine Stadt ist. Wieder ernteten wir erstaunte und lächelnde Blicke, was mir zugegebenermaßen gut gefiel. Ich fand die Stelle, wo es auf den EB – Weg ging, aber sie war nicht ausgezeichnet und keiner der Anwohner konnte mir sagen, ob es der richtige Weg Richtung Olbernhau sei. Ich schwatzte noch kurz mit Leuten, Kinder streichelten die Esel und dann lief ich einfach drauf zu und erkannte später, dass dies der richtige Weg ist.

Als ich im Laufen war, bemerkte ich, dass ich völlig vergessen hatte Wasser aufzufüllen, was ich in Sayda vorhatte und so lief ich etwas genervt von meiner Vergesslichkeit zurück zu der Kleingartenanlage, am Rande der Stadt. In den Kleingärten gab es gar kein fließendes Wasser mehr, sie hatten nur Regenwasser und davon auch nicht mehr soviel, da es schon so lange nicht geregnet hatte. Außerdem ist das abgestanden Regenwasser nu nicht so toll für mich. Weiter unten war eine Neubausiedlung. Sultan war nicht angeleint. Da kam eine Katze und wie dass so ist, rennt die Katze weg und der Hund hinterher. Juhu, ich bekam auch gleich einen deftigen Anschiss von dem Besitzer einer Katze. Da kann man tausendmal sagen, dass der Sultan den Katzen nichts tut. Aber das weiß der Besitzer ja nicht. Aber er weiß doch, das Katzen viel flinker, behänder und cleverer sind als Hunde. Ich entschuldigte mich ganz oft dafür und fragte ihn dann auch noch nach Wasser. Er wollte mich weiter weg schicken, zu einer Quelle. Das wollte ich allerdings nicht und bestand darauf. Eine Frau, die mit ihren Kindern die Szene beobachtet hatte, war zwar freundlicher als er, aber auch nicht gewillt Wasser zu geben und misstrauisch. Es tat mir dann wirklich leid, ich verstand, dass ich nicht überall mit Freuden empfangen werde, was ja auch ok ist. Doch war ich schon so verwöhnt davon, dass ich es schon erwartete.

Erwartungshaltungen enttäuschen den Menschen ja immer irgendwie. Da kann man es sich ja nun endlich mal merken, nichts zu erwarten und dennoch kommt es immer wieder vor. Von dem wütenden Katzenbesitzer bekam ich doch noch Wasser und wir konnten noch gut miteinander sprechen, was mir wichtig war.

Ich lief beschämt durch die Gartenanlage zurück, auf den Wanderweg, der hier auch Rad – und Autoweg war. Ich machte eine kurze Rast in der untergehenden Sonne, damit die Esel kurz was fraßen, ich eine rauchte und wir danach durch den Wald kämen. Der gedachte Wald, war nur ein Wald am Wegesrand.

Es war schon 18 Uhr und wir alle waren müde und brauchten ein Nachtlager. So kam ich an zwei verlassenen Grundstücken vorbei, wobei das Linke von denen ein richtiges Wohnhaus besaß und das Rechtere ein flache Holzhütte. Das linke Grundstück wirkte irgendwie gruslig und von negativen Geistern besetzt. Vor dem Haus standen drei große Birken, deren alle Köpfe fehlten. Das rechte Grundstück war kleiner, aber positiver vom Gefühl her. Aber niemand war da. Also suchte ich weiter nach einem Nachtlager. Doch nichts schien so richtig geeignet. Ich wollte offenes Land, damit ich noch was von der Abendsonne habe und am nächsten Morgen von der aufgehenden Sonne. Dennoch wollte ich mich beschützt fühlen und unsichtbar nach außen.

Auf dem Weg war einiges los, und viele sahen uns. Ich hatte nicht das wohlige Gefühl der Sicherheit irgendwo am Wegesrand zu schlafen. Ich schaute hier und da nach, überall war ich sichtbar oder zu tief im Busch. Die Esel wollten einfach nur pausieren, mehr nicht und so ging ich wieder zurück zu den Grundstücken, um zu gucken, ob man hinter ihnen ein Lager aufbauen könnte. Nichts da. Dann stand ich vor dem rechten Grundstück und siehe da, es war nicht abgeschlossen. Ich hatte das Gefühl da rein zugehen, aber traute mich nicht, denn ich hatte ja nicht gefragt und war eine Fremde. Ich wollte ja nichts klauen, randalieren oder so was schmutziges. Ich wollte einfach nur einen Ort für den behüteten Schlaf haben.

Nach langem hin und her, machte ich auf und ging rein. Ich bat die Geister des Ortes um Einlassgewähr und mir schien, als gewährten sie uns, aber waren noch misstrauisch. Das ist alles ein Gefühlsding, was ich hier mit Geistern beschreibe. Am hinteren Teil des Grundstücks sah ich Sattelstangen, freute mich darüber und sattelte erstmal ab. Dann kniete ich mich nochmal auf den Boden und bat die Geister des Ortes für eine Nacht hier bleiben zu dürfen in ihrem Schutzes. Ich wolle nichts Böses, nur einen ruhigen Ort. Dann sah ich das der Rasen erst vor kurzem gemäht wurde. Es war also nicht so verlassen, wie ich anfangs annahm. Dann sah ich lange Holzstangen, die ich als Tippistangen vermutete, einen Rindertotenschädel, als Abschreckung für negative Geister vermutlich oder auch einfach so als Spaß und die Krönung des Ganzen war, der Tisch auf der bedachten Terrasse. Er war voller Punkersprüche. Da löste sich sich die Angst in mir und ich fühlte mich gleich viel besser und fast wie zu Hause.

Ein Punker - und Alternativplatz war dies also hier, wie schön, dass er offen und einladend war. Heute glaube ich, dass er mich unbewusst angezogen hat, da ähnliche Energieströmungen uns verbinden. Ich freute mich, wurde lockerer und ließ die Esel erstmal frei laufen. Doch Sasi nahm dies zum Anlass nach draußen gehen zu wollen. Ich fragte mich, warum sie nicht hier bleiben wollte. War es die negative Energie dieses Ortes oder die des Nachbarn? Oder zu wenig Platz? Ich hatte schon zuvor in weiser Voraussicht das Tor extra mit Schnippsgummis gesichert, denn ich wusste von Peter, dass Sasi Tore öffnen kann. Und sie hätte es auch fast geschafft, wenn ich es nicht gesichert hätte.

Gar nicht blöd die Esel. Wer nur darauf gekommen ist, das Esel dumm sind? Nun, sie lassen sich nicht so gut erziehen wie Pferde. Eigentlich gar nicht, wenn sie es nicht wollen. Wenn sie dich mögen und dir vertrauen, dann machen sie eine Menge Blödsinn mit dir mit. Aber wenn sie was nicht einsehen zu tun, was ein Mensch von ihnen verlangt, der sie vielleicht auch noch schlägt, dann tun sie es auch nicht. Sie sind vom Charakter her eher wie Katzen. Eigenwillig mit hoher Wahrnehmung, höher als Pferde und Hunde. Sie suchen sich wie Katzen auch die Menschen aus, die sie mögen. Bei Miniela und mir war das so. Esel – Menschliebe auf den ersten Blick. Bei Sasi hat es lange gedauert und sie hat mir immer wieder gezeigt, dass ich nicht ihre Chefin bin, bis es irgendwann mal einen Knackpunkt gab. Wann, wo und warum weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass sie Peter ablehnte, bei dem sie 18 Jahre gelebt hatte.

Sasis Unruhe hier auf dem Platz machte mich selbst auch etwas unruhig. Spürte sie was, was ich nicht spürte? Eine Gefahr vielleicht? Oder kam sie mit den Energien hier auf dem Hof nicht klar, die ich auch spürte? So ganz wohlig war ich dann nicht mehr. Da ich sie vom Tor zurückholen musste, entdeckte ich dass die Scheune offen war. Darüber freute ich mich, da ich noch keine Schaufel besaß, um den Eselmist zu entfernen. Hier gab es eine Schaufel und eine Menge Heu. Ich doch sehr erleichtert und begeistert. Alles andere hier war zugeschlossen. So ein Glück aber auch. Den ganzen Tag habe ich für die Esel kein Heu auftreiben können und hier gab es welches. Ich holte etwas raus und gab es ihnen zu fressen.

Sasi musste ich anleinen, was ihr auch nicht gefiel. Doch als ich sie wieder losmachte, wollte sie wieder das Tor aufmachen und abhauen. So musste sie zwangsweise ans Tor. Ich genoss kurz die goldene Abendsonne bis sie ganz verschwand und bereitete mein Lager auf der Terrasse. Über den Tisch freute ich mich besonders, so ein Möbeliar erleichtert doch ungemein das Schreibgefühl. Ich musste alles Gepäck von Sasi wegräumen, denn was sie kriegen konnte, wollte sie auseinander nehmen oder wenigsten draufscheissen. Klingt jetzt lustig, war aber gar nicht lustig, weil sie es tatsächlich mit Absicht macht.

Ich schrieb dann abends bei Kerzenschein ein wenig, erschrak bei den Gewehrschüssen der Jäger und schlief dann recht gut ein und durch. Ich war sehr froh hier drin zu sein. Man sah uns auch nicht von vom Tor aus und unbekannte Punks, Alternative für die Bürger hier, halten sich wohl immer mal hier auf. Miniela bekam weiterhin ihre Medizin gegen Husten, der sich langsam linderte. Sie war auch so viel entspannter als Sasi und pennte bei mir unterhalb der Terrasse. Sasi scharte den Boden auf, was mir echt unangenehm war, da wir uns in einem fremden Grundstück befanden.

1. Mai - Drachenkopf nach Neuclausnitz

Schlafplatz in Neuclausnitz mit Vollmond - wieder allein unterwegs
Peter-Jo

Morgens am Drachenkopf
selbstgebaute Weide für die Tiere

Rast in Nassauer Kneipe
Peter vor der Kneipe



Es war wohl gegen 10 Uhr als wir aufstanden. Peter war total durchgefroren. Ich etwas sauer darüber, dass er nichts sagte und lieber fror und den starken Mann spielte. So ein Held. Er hätte noch Zeug zum wärmen von mir bekommen, aber da kann man wohl nichts machen. Wir wärmten uns in der Sonne erstmal etwas auf. Dann ging er Kräuter sammeln und Wasser holen. Ich schürte derweil ein Feuer für das Frühstück in der Sonne. Peter brachte leckere Kräuter und frisches Wasser mit, womit ich dann einen guten Tee machen und die Tiere tränken konnte. Wir frühstückten gelassen in der Sonne, Peter wurde wieder warm. Wie wir uns sonnten wurde Nelson ein wenig nervös und einige Minuten später wussten wir warum. Frieder kam mit einer Gruppe Wanderreitern zu uns. Die Pferde und Esel waren neugierig sich kennenzulernen, die Weideabsperrung hielt die Grenze. Wir gaben noch einigen Leuten frischen Kräutertee, schwatzten ein wenig und Frieder erklärte mir mit seinen fundierten Wanderwissen Wege zum meinem nächsten Zielort. Mein neues Festziel war Thalheim, im Westerzgebirge, bei meiner Patentante, die einzige in meiner Familie, neben meiner Schwester, die mein Reisevorhaben gut fand und mich mit den Eseln willkommen hieß.

Die Pferde und ihre Reiter zogen weiter nach Nassau in eine Kneipe, wo wir uns noch treffen wollten, falls wir schnell genug sind. Nelson fand das gar nicht gut, als einziges Pferd zurück zu bleiben und wollte ausbrechen. Peter musste ihn anbinden. Die Koppel musste eh abgebaut werden, was Peter übernahm und ich packte den Rest zusammen. Peter versuchte die Kanzel wieder aufzustellen und so weit es geht zu reparieren. Dann eben Tiere putzen, satteln und bepacken. Das alles dauert mindestens eine Stunde.

Als wir los gingen, ritt ich wieder auf Nelson und Peter nahm die Eselchen. Nelson war kaum zu bremsen und wollte unbedingt den Pferden hinterher, was für mich, als ungeübte Reiterin gar nicht so einfach war, aber ich schaffte es. Mit Nelson war ich schneller als Peter mit den Eseln, doch gemeinsam kamen wir in Nassau an und gingen in die Kneipe, die sich gleich an den Anfängen des Dorfes befand. Miniela hatte immer noch Husten, was mir nicht gefiel.

Am Zaun der Kneipe, befestigten wir die Tiere. Die Wiese war von Frieders Pferden schon runter geknabbert. Der Ausblick hier nach Süden ging ins Tal, wir waren wohl ca. in 850m Höhe. Herrliches Panorama. Wir wurden von der Gastwirtin schon erwartet, sie nannte uns ihr Tagesgericht, Lammbraten mit Klößen und Bohnen, da sagten wir keinesfalls „Nein“. Das Gepäck kam vor das Fenster, so dass wir es in Aussicht hatten.

Das Essen war superlecker und sättigend. Da Sonntag war, waren einige Touristen unterwegs und kamen auch in die Kneipe um zu rasten. Ich wusch mich noch, füllte Wasser auf und Peter besorgte Heu von den Gastwirten. Dafür bedankte ich mich herzlich. Vor allem bei Peter, da er es besorgte und mich zum Essen eingeladen hatte. Beim satteln kam die Wandergruppe raus und stellte mir viele Fragen. Peter meinte, dass ich schon fast einen Vortrag halte und mir somit jeder eine kleine Spende dafür geben könnte. Liebenswert frech muss man sein. Einige spendeten mir tatsächlich etwas und ich freute mich. Peter gab mir noch ein paar Tipps zum Geld bekommen.

Wir gingen auf dem Weg ein Stück zurück zum Walde hin, da fand Peter Lungenkraut, am Rande eines Grundstückes. Ich gab Miniela etwas davon, aber so richtig wollte sie es nicht essen. Rein zwingen kann ich es ihr auch nicht.

Bei einer Kreuzung blieben wir stehen, hier musste ich gen Südwest abbiegen und Peter musste wieder zurück auf seinen Hof. Wir banden kurz die Tiere an und rauchten gemeinsam eine Abschiedszigarette. Der Abschied von ihm fiel mir schwer, weil so etwas wie Liebe zwischen uns war. Es war etwas mystisches zwischen uns, was uns von unseren ersten Gespräch an ein Gefühl von Urvertrauen gab und als wir uns schon ewig kennen würden. Peter war total verliebt in mich. Ich hatte eine Beziehung zu einer jungen Liebe im Herzen, doch spürte ich auch dieses Urvertrauen. Seltsam das alles. Die ganze Zeit in Dresden lernte ich nicht die Liebe kennen und jetzt wo ich losgehe kommt sie gleich von zwei Männern zu mir. Was für ein Verhängnis, denn ich war auf Reisen und nicht gewillt jetzt alles hin zu schmeißen, wo es doch gerade erst anfing. So konnte ich mich auch gar nicht richtig öffnen für die Liebe.
Geweint habe ich trotzdem als der kleine Petermann auf dem dicken Nelson davon galoppierte. Was für ein herrliches Bild und Drama. Dazu kam, dass mein Hund Sultan plötzlich verschwunden war und Peter hinterherrannte. Ich schrie nach ihm und heulte. Peter erzählte mir später, dass er Sultan mit Steinen bewerfen musste, damit er zu mir zurück ging. Verrückt, was?! Peter schien der erste Mann zu sein, den Sultan mochte und neben sich akzeptierte, was ja bei Rüden, welche eine Herrin haben, nicht so einfach ist. Ebenfalls bei Männern, die eine Hündin haben. Hunde sind doch sehr verbunden mit ihren Chefe, sonst könnte sie wahrscheinlich nie im Rudel leben, in freier Wildbahn. Katzen sind da schon anders drauf.

Jetzt war ich wieder allein und stolperte verweint los und verlief mich auch prompt. Aber nicht allzu weit. Ich ging auf anderen Wegen, als die, die mir Frieder nannte und kam unten in Rechenberg-Bienenmühle raus. Es ging nur bergab, immer der Sonne entgegen. Hier und da standen neben den vielen Fichten Buchen, worüber ich mich freute, da ich diese großen mächtigen Bäume sehr mag. Im Tal wusste ich erst nicht genau weiter, obwohl ich immer nur der Sonne entgegen laufen brauchte. Ein wenig Unsicherheit spürte ich aber in mir, wieder so auf mich alleine gestellt. Aber genau das wollte ich ja, um meine Unsicherheiten abzubauen, meine Intuition stärker zu spüren, ihr zu vertrauen und zu folgen. Um die eigene Stimme zu hören muss man allein sein, was in der Stadt schwer fällt, selbst wenn man da auch allein ist. Gemeinsam einsam. Jeder ist allein, jeder wird allein geboren, lebt sein Leben allein und stirbt allein. Natürlich gibt es Menschen zu denen man Kontakt hat und sie liebt, trotzdem ist man allein, auf sich gestellt im Leben, um es ohne Verzweiflung und Trauer zu leben.

Viele Menschen geben einem Ratschläge und wissen, was für einen das Beste ist. Ich frage mich woher? Sie kennen mich doch gar nicht! Ich kenne sie auch nicht, nur soviel, was sie von sich zeigen und geben. Und wenn man Glück hat ist es ehrlich, authentisch. Die meisten oder vielleicht jeder kennt sich selbst noch nicht einmal. Man selbst ist sich oft ein Rätsel, andere sowieso. Und wenn jemand einen dann immer berät, oft fragt man ja auch aus falschen Unsicherheiten, dann kann man nie lernen auf seine eigene Stimme zu hören. Alle Menschen haben zudem ihre eigene Realität und Wahrnehmung des Lebens, welche manchmal die des anderen ähneln, und das ist es was die Menschen in Freundschaft und manchmal auch in Liebe verbindet und bestärkt.

Nun, ich zog los, um All-eins-zu-sein. Was mir bei vermehrter Einsamkeit Angst machte, doch jetzt war es nicht so. Ich war sogar ein wenig erleichtert wieder allein zu sein. Ein jedes Wort beeinflusst uns, ob wir es wollen oder nicht. Was nicht heißt, dass ich dies jetzt negativ oder positiv bewerten will. Es ist eine Tatsache, ein normaler Energieaustausch. Wir senden und empfangen Impulse, reagieren und agieren. Wobei viele Menschen reagieren, statt zu agieren. Wenn man was verändern will ist agieren besser angebracht, denn nur da kann man was bewegen und Impulse aussenden.
Aber gut jetzt hier, weiter im Geschehen des Tages.

Ich stand da und musterte die Straßenschilder wo sie hinführten, da sprach mich jemand an und erklärte mir den Weg nach Neuclausnitz. Ja, wenn man unten im Tal ist im Gebirge muss man natürlich wieder bergauf, es sei denn man folgt dem Talverlauf. Doch das war nicht mein Weg. So gingen wir wieder bergauf, zur großen Freude von Sasi. Sasi ließ sich übrigens ohne Probleme bei Peter besatteln, zeigte also keine Anzeichen, dass sie nicht mit wollte, um im Stall zu bleiben, was mich doch sehr erfreute. Der Aufenthalt bei ihrem alten Chefe brachte uns sogar näher.

Wir schafften den Berg ohne große Sturheit der Esel, all zu viel sind wir ja auch noch nicht gelaufen an diesem Tage. Die Sonne war schon im Begriff unterzugehen. Ich lief auf einem alten LPG Weg, der Neuclausnitz und Clausnitz verband. Rings herum war Feld, als die Häuserzeile verlassen hatte. Wald gab es noch weiter oben, was aber auch nicht mein Weg war. Ich wusste nicht so recht, ob ich weitergehe oder mir hier einen Platz suche. Da kam ein Mann aus meiner Zielrichtung und dachte wir seien nicht echt und prüfte, ob wir der Realität entsprechen. Er war angetrunken, das merkte ich sofort und stellte mir so alle möglichen Fragen. Zuerst war es mir unangenehm, ich traue Betrunkenen nicht wirklich, denn sie sind unberechenbar und können ihre Reaktionen selbst nicht voraussehen, geschweige denn kontrollieren. Auch lassen sie sich nicht so schnell abwimmeln und stellen ehrliche Fragen.

So kamen wir doch ins Gespräch und rauchten. Es wurde ein Gutes Gespräch. Denn er verstand was ich mit der Reise beabsichtigte. Er ist ein arbeitsloser Mann, der viel vorm Fernseher sitzt und eigentlich total gefrustet ist von dieser Art zu leben. Das Gespräch dauerte mir mit all dem Gepäck auf dem Rücken zu lange. Auf der Weide war eine kleine Felsinsel mit jungen Bäumen umgeben. Das sah recht kuschelig aus, so sagte ich ihm, dass ich dort erstmal unser Gepäck ablegen muss und dies mein Nachtlager wird. Er war erstaunt, dass ich junge Frau, es mir traute allein hier zu nächtigen. Es war ein fruchtreiches Gespräch. Ich glaube, dass ich ihn bestärkte mal wieder zu agieren und sich nicht so hängen zu lassen. Ich freute mich daran ihm gut zu tun. Interessant war auch die Begebenheit, dass er mir in der Mitte des Gespräches etwas Kleingeld spendete und am Ende mir 20 € spenden wollte, was ich entschieden ablehnte. Ich hatte ja gerade etwas verdient und soviel Geld ist nicht von Nöten, wenn man zu Fuß unterwegs ist. Dafür schenkte er mir eine Packung Wick Zitronenbonbons, was ich total süß fand und absolut keine Werbung sein soll für diese Firma. Sie trug ich lange bei mir und nahm immer nur eines, wenn der Durst zu groß war und ich nicht anhalten wollte. Oder ich auch mal Halsschmerzen hatte, was nicht mehr vor kam eigentlich, denn bei Peter bin ich völlig genesen. Er hatte sich auch rührend um mich gekümmert, ich hatte Sonnenenergie getankt, Ruhe und Liebe bekommen.

Das wunderbare an diesem Flecken Erde war, dass er offen war und ich sehen konnte, wie die Sonne hinterm Berg im Westen verschwand und im Osten der volle Mond aufging. Dazu sternenklare Nacht, wie konnte es schöner sein. Ein wenig machte mir diese Schutzlosigkeit in der offenen Bergebene etwas Angst, deshalb zog ich ein großen Schutzkreis um diesen Platz. Der Platz war schön, weil ich doch ein wenig im Gebüsch sein konnte, Felsen gaben Schutz und viel trockenes Holz lag herum, so dass ich ein Feuer machen konnte. Ich machte nur etwas Tee und ließ es dann erlöschen, so ein Feuer fällt dann ja doch auf. Die Nacht war sowieso sehr hell durch den Vollmond.

Ich bin immer wieder immer seine Helligkeit und den Glanz fasziniert, den er oder auch die Mondin ausstrahlt. Der Mond wird ja dem weiblichen Wesen zugeschrieben und die Sonne dem Mann. Passiv – Aktiv. Minielas Husten wurde nicht besser, so gab ich ihr aus der hömophatischen Apotheke etwas gegen trockenen Husten und wickelte ihr zusätzlich meinen dicken Schal um ihren Hals. Was sehr lustig aussah. Irgendwie kam ich mir auch komisch vor, ihr einen Schal umzuwickeln, aber was bei uns hilft, könnte ja auch den Tieren helfen.

Die Esel kamen zur Nacht mit rein ins Gebüsch, was mich beruhigte. Sasi war zu meinem Erstaunen ruhig und gelassen. Kein Zeichen von Panik oder dem Willen
umzukehren. Dies erfreute mich sehr und gab mir neuen Mut mit ihr zu gehen.

Ich schlief phantastisch, fühlte mich von der Mondin und dem gezogenen Kreis geschützt.

22.-30.April - Hermsdorf bei Peter-Johannes

30.04.07 Weiterreise mit Peter und seinem Pferd
30.04.07 Weiterreise - Peter und Pferde
30.04.07 Weiterreise - Esel fertig gepackt
30.04.07 Weiterreise - Esel warten
30.04.07 Weiterreise - Sattelplatz
Weg nach Oederan zum Markt - fehlende Autoscheibe zuhängen, damit Eselärsche nicht rausgucken
Markt Oederan - Peter und ich
Markt Oederan - Peter, Miniela und ich
Markt Oederan - Miniela und Peter
Weg nach Oederan zum Markt - im Auto


Weg nach Oederan zum Markt - Rast
Weg nach Oederan zum Markt - Eselärsche
Weg nach Oederan zum Markt - Sulle im Auto
Sultans Leiche, altes Kuhfell, zum kauen
Sultan auf dem Vordach bei Peter
Peters großer Ofen
Peters Badezuber,indem ich mich jeden morgen erfrischte mit frischen Quellwasser
Die Schnitzbank, wo ich Latten entrindete
Peters Schlafgemach, solange es keine Minusgrade sind
Peters großes Gewürz - und Kräuterregal




Erlebnistext kommt noch....

21. April - endlich ankommen in Hermsdorf

Rast an der Kreuzung zu Ammelsdorf, ca. Mittag
etwas geschwächt und müde, aber glücklich, bald anzukommen

Erlebnistext kommt noch ...

20. April - Talsperre Lehnmühle

Sulle nach baden und sichtlich müde
Miniela frißt immer entspannt
Sasi schaut übern See, der Talsperrre
Talssperrre Lehnmühle


Erlebnistext kommt noch ...

19. April - Klingerberger Talsperre

Sepp und die fertig gepackten Esel
siehe oben
Rast am Wanderweg der Klingerberger Talsperre
oberhalb der Talssperre, herrliches Panorama
Schlafplatz
Holzstapel schützte uns vor Wind und Blicken
Rast - und Schlafplatz für alle - war sehr entspannend
Erlebnistext kommt noch ...